haiku 65

Trio Petra

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Askifou-Hochebene

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haiku 65

ein zauberspruch fegt

und wellen schäumen über

das meer tanzt sirtaki

 jbs 2ooodreizehn

Wellentanz

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Brother Wind March – Jan Gabarek Group   http://www.youtube.com/watch?v=Mjgr9UJuODM

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Wolkenzüge und Raketenschirm

Die Trilogie „Wolkenzüge“ ist mit dem „Raketenschirm“ vollständig. Ich gratuliere dem Autor und Lyriker Immo Sennewald recht herzlich!

Raketenschirm von Immo Sennewald

Raketenschirm von Immo Sennewald

Haie und Wolkenzüge

In einem Haifischbecken schwimmen und von dort heraus unbeschadet Wolkenzügen nachschauen, das schafft nur eine Person in dem neuen Roman „Raketenschirm“ von Immo Sennewald. Und dieser ‚wer‘ ist Gustav Horbel.

Jedoch sollte man nicht auf die Idee kommen, Horbel sei nur ein hoffnungslos verträumter Zeitgenosse mit mächtig viel Glück im Stasi-Land. Nein, die Hauptfigur, des im März 2013 im Salierverlag erschienen Buches, ist Anfang 60, im Osten der Bundesrepublik Deutschland, der ehemaligen DDR, geboren und aufgewachsen und wie bei einem Raketenabwehrsystem lernte Gustav Horbel im Laufe der Jahre mittels ureigener „Frühwarnradarstation“ anfliegende „Raketen“ erkennen und zu unterscheiden.

Gestaltete Geschichte

Der Autor Immo Sennewald blickt im „Raketenschirm“ zurück auf das totalitäre Herrschaftssystem der DDR und er vergisst auf seiner literarischen Gipfeltour auch die parallelen Weltsituationen nicht. Er erzählt im Rückblick eine verflochtene Geschichte vom Stasiland, von intellektuellen Verwirrungen, von einem Protagonisten, der in Thüringen aufwächst und in Baden-Baden mit seiner Liebe, einer Chinesin, seine „Alterszeit“ endlich genießen darf.

Mit seinen Figuren erstellt er auf 335 Seiten ein Psychogramm Mächtiger und Verlierer. Er und sein träumender Chronist Gustav Horbel machen sich auf den Weg und starten den Versuch, Wahn, verhängnisvolle Irrtümer oder Ketten schicksalshafter Zufälle zu analysieren, gesellschaftliche Beziehungsgeflechte zu reflektieren. Sie vollziehen nach, wie die SED-Herrschaft im Alltag funktionierte, „welche Disziplinierungs-und Integrationsmechanismen griffen bzw. scheiterten und auf welche Formen von Zustimmung, Anpassung oder Widersetzlichkeit sie trafen.“

Aus einem Plädoyer ( Zeitzeugenschaft der Autors ) von Stefan Heym, gehalten 1986 auf dem PEN-Kongress in Hamburg, zitiert:

Literatur ist nichts anderes als gestaltete Geschichte der Zeit, in welche der Autor hineingeboren wurde, der Erlebnisse, die er in dieser Zeit hatte, der Erfahrungen, die er machte, der Zustände, die er sah; er kennt nur seine Zeit, welche sonst sollte er gekannt haben, und selbst wenn er von einer anderen Zeit erzählt als der seinen, so ist es doch die seine, nur anders kostümiert und mit anderen Versatzstücken … Je besser ein Autor seine Zeit versteht, je mehr weiß er von ihrem Geschehen, desto zeitloser wird sein Buch sein, sein Stück, sein Film, sein Gedicht.“

Figuren-Karussell

Rund um Gustav Horbel gruppiert sich ein Figurenkarussell, das sich hauptsächlich im Bauch der ehemaligen DDR dreht. Zum Beispiel lernt man die rothaarige Silvia kennen, das „Stasikind“, zu der sich Gustav, nach einem kurzen Liebesabenteuer, bis ins sechzigste Lebensjahr hinein verbunden fühlt. Während Gustav sein Leben in Jahresringen lebt und ihm Erfahrungen abtrotzt, ist auch Silvia, Tochter zweier strammer Stasi-Eltern, existenziell betroffen. Abenteuerlich sind ihre drei Ehen, bis sie endlich als freiberufliche Künstlerin in Leipzig Ruhe zu finden scheint. Noch abenteuerlicher als ihre Ehen ist dann die Zuspitzung einer Begegnung mit ihrer linienharten Mutter und ihrem Halbbruder. Schlussendlich scheut sie sich dann nicht, gegen den Bruder die Waffe zu erheben und zu schießen.

Oder da ist Gabi Fürbringer. Für mich ist sie in diesem Roman eine sehr wichtige Schlüsselfigur. Ihr Schicksal dürfte gleichgesetzt werden mit vielen anderen tausender DDR-Frauenschicksale. Gabi, ehemalige Leistungssportlerin, ist die Frau von Anton, beide haben eine Tochter: Carla. Anton Fürbringer, ein Wissenschaftler und ehemaliger Kollege von Gustav, verfällt langsam dem Wahn. Seine Ideen, seine Arbeit, finden im ehemaligen DDR-Forschungsministerium kein Gehör und keine Anerkennung. Er „flieht“ zu seinen Eltern nach Israel. Dort vegetiert er dahin und stirbt viel zu früh. Gabi hat den Kontakt zu ihm abgebrochen, nachdem auf jahrelangen schriftlichen Versuchen hin, keine Antworten folgen. Sie zieht also ihre gemeinsame Tochter Carla alleine auf. In Carla’s entscheidender Wachstumsphase muss die Mutter ins Frauengefängnis nach Hoheneck, die Tochter zieht zu den Eltern von Gabi. Nach ihrer Haftentlassung wird Gabi nie wieder ein unbeschwertes Mutter-Tochterverhältnis erleben können. Immo Sennewald erzählt diesen Teil der Geschichte sehr realitätsnah und unglaublich einfühlsam.

Als weitere Figur sitzt Matthias Montag in diesem Karussell. Auch er spielt eine äußerst wichtige Rolle im „Raketenschirm“. Anfangs noch ein Schulfreund aus alten Lauterbergtagen, legt er später eine steile Karriere im DDR-System hin. Seine wahnartige Affinität zum weiblichen Geschlecht, die zeitweise masochistische Züge annimmt, lässt ihn sogar einen schrecklichen Mord ausführen. Oder entsteht diese Tat nur als Vorstellung im Kopf von Montag und mir als Leserin? Spannend, sehr spannend!

Wie das Leben des Matthias Montag weitergeht, wie er fällt, sich wieder aufrafft, um irgendwann im warmen Polster der Wiedervereinigung zu versinken, zu verschwinden – Sennewald schafft den Spagat, Wahnvorstellung und Realität zu vermischen.

Bleib nicht stumm

Auf vielen Seiten vom „Raketenschirm“ findet man Gustav Horbel’s Erklärungen, warum er sein Leben so lebt und nicht anders.

Auf Seite 299 verdeutlicht er es Matthias Montag ( aus dieser Figur schillert übrigens Markus Wolf, der ehemalige DDR-Spionagechef ), warum er Systeme wie das der DDR verachtet:

… Leider hat es nicht funktioniert. De Sade war ein Philosoph, er hatte das verstanden. Bei keiner der Bewegungen, die das Böse in der Welt auszurotten versprachen, hat es funktioniert, nur die Ausrottungstechniken wurden verbessert, die zum Schutz davor ebenso. Die Raketen treffen nicht das Böse – der Raketenschirm schützt nicht das Gute. … „

Fazit

Dieser Roman ist in hohem Maße aktuell und beeindruckend. Das liegt sicherlich daran, weil es dem Autor gelingt, den Blick des Lesers auf die individuellen Schicksale seiner Figuren zu lenken und die DDR-Zeitgeschichte bildlich wiederzugeben.

Manchmal habe ich mir gewünscht, Immo Sennewald hätte noch ein Buch geschrieben. Obig geschilderte Personenschicksale sind nämlich nur ein Teil des Romans. Quasi nebenbei gibt das Werk kaleidoskopartig einen Überblick auf die vom Autor angesammelte Lebenserfahrung in Bezug auf die ehemalige DDR ( siehe oben eingefügtes Zitat von Stefan Heym) und seines eigenen beruflichen Lebens als Physiker und Theaterregisseur.

Waffenindustrie und- handel, die „Aufklärung“ des Rohweddermordes im Jahr 1991( eine fiktive Aufklärungsepisode im „Raketenschirm“ ), E.T.A. Hoffmann ’s Mönch Medardus und der Sandmann, sie alle tauchen auf in diesem Stück Zeitgeschichte. Die intellektuelle Brisanz dieses Buches besticht. Nichts darf vergessen sein ist Sennewald’s Legat.

Ein sehr reiches Buch! Sehr lesenswert!

jbs im April 2ooodreizehn

Die kursiv gehaltenen Textstellen sind Zitate aus dem Roman „Raketenschirm“ und aus dem Artikel „Herrschaft und Gesellschaft in der DDR-Provinz ( siehe eingefügten ersten Link) sowie Stefan Heym’s Zitat aus dem „Arche Literatur Kalender 2013“

Deutsche Geschichte – DDR-Machenschaften – Stasi – illegale Waffengeschäfte – Liebesgeschichte – Schelmenroman – perfektes Verbrechen – Frauengefängnis Hoheneck – Familienzusammenführung – Masochismus – Wahn – E.T.A. Hoffmann

Herrschaft und Gesellschaft in der DDR-Provinz

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Forschung/Forschungsprojekte/Forschungsprojekte_herrschaft_provinz.html

Die Internationale Schriftstellervereinigung

Ihre deutsche Geschichte

Ihre Aufgaben

http://www.boell.de/downloads/democracy/PEN_Broschuere_65.pdf

Das perfekte Verbrechen

http://www.focus.de/politik/deutschland/raf/tid-9310/detlev-karsten-rohwedder_aid_266442.html

Frauengefängnis Hoheneck

http://hoheneck.wordpress.com/zuchthaus-hoheneck/

Blog des Autors I. Sennewald zum Buch Raketenschirm

http://raketenschirm.com/

Das Vorwitzchen

Das Leberblümchen ist die Blume des Jahres 2013.

Zwischen Efeu und altem Blattwerk habe ich vorhin diese wunderschöne kleine Anemone im Garten gefunden.

„Das Leberblümchen erhielt seinen deutschen Namen aufgrund seiner Blattform, die an die menschliche Leber erinnert. Es sind aber auch andere Namen gebräuchlich. Wegen seiner sternförmigen, blauen Blüten wird die Pflanze auch als Blaublume bezeichnet. Mancherorts wird sie, ihrer frühen Blütezeit wegen, auch Vorwitzchen genannt und weil die Blüten vor den Blättern erscheinen, nennt man sie auch Dochder vor de Moder (Tochter vor der Mutter). Der lateinische Gattungsname Hepatica hat seinen Ursprung in hepatos für Leber. Der Artname nobilis bedeutet soviel wie edel, vortrefflich und meint damit wohl die Heilwirkung.“ … ( aus: Loki Schmidt Stiftung )

 

Das Leberblümchen oder auch Vorwitzchen genannt, weil die Blüten vor den Blättern erscheinen

Das Leberblümchen oder auch Vorwitzchen genannt, weil die Blüten vor den Blättern erscheinen

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Zeppelinansichten

Innenansichten vom Zeppelin

Innenansichten vom Zeppelin

Graue Zigarren am Himmel

Wenn ich das Wort Zeppelin höre, dann denke ich sofort an meine frühe Kindheit Mitte der sechziger Jahre. Was war das für eine Aufregung, wenn wir am Himmel einen Zeppelin entdeckten. Jedes noch so interessante Spiel wurde unterbrochen und alle Kindernasen streckten sich gen Himmel. Kleine Hände flogen auf und winkten der grauen Zigarre zu, bis sie am Horizont verschwunden war. Erst dann ging man fast ehrfürchtig dem Spiel wieder nach. Man meinte noch Stunden später, ein brummendes Geräusch im Ohr zu haben.

Dieser Tage besuchte ich das Zeppelinmuseum in Friedrichshafen und manches klärte sich bei mir auf wunderbare Weise auf. Wo befanden sich die Fahrgäste? Die konnten doch niemals alle in der Steuergondel unterhalb der „Zigarre“ sitzen? Und wo befand sich das Gepäck, der Treibstoff? Wie sah überhaupt der Zeppelin von Innen aus? Wie bewegte man sich dort? Wer kochte oder kochte man gar nicht und ernährte sich von Fertigprodukten? Wie verständigte man sich? Per Funk? Und wie funktionierte dies alles zu der Zeit?

Ehrfürchtig steigt der Museumsbesucher die mit Teppich ausgelegten Stufen hinauf, „plumpst“ mittig hinein in den Bauch des original nachgebauten Starrluftschiffes. Plötzlich ist man Fahrgast. Große Fenster geben den Blick frei hinab in die Tiefe, in die Weite. Tische, Stühle, Musik, bemalte Wände, Restauration vom Feinsten, alles lädt ein zur kurzweiligen spannenden exklusiven Reise im Zeppelin von Friedrichshafen nach Lakehurst, Amerika. Feinste Gläser, edles Besteck, klassisches Porzellan, alles extra für diese Luftschifffahrt hergestellt. Zeppelinmotive und Signaturen zierte alles, was mit dem Zeppelin zu tun hat. Speisekarten lassen einen heute noch Appetit auf die feinen Speisen bekommen. Unglaublich, wie die Köche der Luftschiffe auf kleinstem Raum mehrgängige Menüs zauberten.

Deutsche Zeppeline, wie z.B. LZ 127 „Graf Zeppelin“ ( ab 1931 ) und LZ 129 „Hindenburg“ ( ab 1936 ) fuhren fahrplanmäßig im Liniendienst über den Atlantik ( „Graf Zeppelin“ nach Brasilien, „Hindenburg“ sowohl nach Brasilien als auch in die USA ). Dabei beförderten sie Passagiere, Post und Fracht. „Graf Zeppelin“ umrundete 1929 auf der Weltfahrt mit zahlenden Gästen an Bord sogar einmal die Erde. Die Luftschiffe stellten Spitzentechnologie dar und waren gewissermaßen die Condorde der 1930er.

Auf einem meiner Bilder kann man eine kleine Gondel erkennen ( es ist übrigens eine Gondel vom verschrotteten Luftschiff  „Graf Zeppelin“), in dem 1 Mechaniker saß. Über eine Leiter kletterte der jeweilige Maschinist hinein oder hinaus. Schichtwechsel. Kurze Zeit hing dieser in freier Luft und nicht nur er musste schwindelfrei sein. Gab es an der dünnen Außenhaut, die aus schweren und leichten Baumwoll- oder Leinenstoffen bestand, Schäden, kletterte mutiges Schiffspersonal auf die „Zigarre“, suchte nach dem Leck und reparierte es in enorme Höhen. Der Zeppelin konnte Höhen von über 5000 Meter erreichen.

Das Zeppelingerippe erinnert einen an die Märklin Metallbaukästen. Nur das beim Zeppelin das wertvolle Metall Aluminium eingesetzt wird. Wegen seiner enormen Leichtigkeit, man kann im Museum ein fertiges Gestell ohne Probleme lupfen, wurde das teure Material eingesetzt. Auf den Bildern sieht man das blaue Gestänge und die graue Außenhülle, die u.a. mit Hanfschnüren befestigt wurde.

Funktechnisch waren die Zeppeline hervorragend ausgerüstet und ich linke am Ende des Artikels einen Beitrag dazu ein, weil mein Artikel schon zu lang ist.

Eine schreckliche Katastrophe in Lakehurst beendete die Zeppelinluftschifffahrt. Die „Hindenburg“ ging aus bis heute unerklärlichen Gründen ein paar Meter über dem Erdboden in Flammen auf und sekundenschnell brannte der Gigant der Lüfte aus. Nur wenige Menschen konnten sich aus dem Flammeninferno retten. Die meisten Passagiere und Besatzungsmitglieder starben bei dem Unglück. Bis dahin nutzte man die Luftschiffe auch für Kriegszwecke. Hitler wurde nach der Hinderburgkatastrophe die Erhaltung dieser Schiffe zu teuer, er brauchte das Aluminium für seine Kriegsindustrie. Die Zeppeline wurden „eingestaubt“, später verschrottet. Göring ließ alle Zeppelinhallen sprengen, dass war das endgültige Ende.

Heutzutage sieht man immer wieder kleinere Zeppeline in der Luft. Allerdings selten. Und ob in naher Zukunft überhaupt noch Zeppeline am Himmel zu sehen sein werden? Die weltweite Nachfrage nach Helium ist dermaßen gestiegen, da man es vor allem als Kühlmittel für High-Tech-Anwendungen benötigt, sowie in der modernen Diagnosetechnik wie Kernspintografen, die ohne Heliumkühlung sofort ausfallen würden sowie in vielen anderen wirtschaftlichen Bereichen. Die Physiker am Genfer Teilchenbeschleuniger könnten ihre Arbeit ohne das Edelgas gleich ganz einstellen.

So sehr mich die Zeppelintechnologie fasziniert ( auch wenn ich nicht allzu viel davon verstehe) und in den Bann gezogen hat, im Zuge der Ressourcenknappheit muss diese Art der Schifffahrt der Vergangenheit angehören.

jbs 4/13

220 Tonnen – Leichter als Luft

http://www.uni-stuttgart.de/hi/gnt/ausstellungen/zeppelin/4.2_aussenhuelle.html

Erfahrungen im Luftschiff-Funkdienst  http://www.seefunknetz.de/lzzep.htm

Dem Zeppelin geht das Helium aus

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.immer-teurer-dem-zeppelin-geht-das-helium-aus.50cf7b28-95ba-4b47-8247-2b4cea99bf37.html

Nachrichten über Hinderburgkatastrophe einer US-Wochenschau

http://www.youtube.com/watch?v=9nbHAQ2K2WI

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