Zeppelinansichten

Innenansichten vom Zeppelin

Innenansichten vom Zeppelin

Graue Zigarren am Himmel

Wenn ich das Wort Zeppelin höre, dann denke ich sofort an meine frühe Kindheit Mitte der sechziger Jahre. Was war das für eine Aufregung, wenn wir am Himmel einen Zeppelin entdeckten. Jedes noch so interessante Spiel wurde unterbrochen und alle Kindernasen streckten sich gen Himmel. Kleine Hände flogen auf und winkten der grauen Zigarre zu, bis sie am Horizont verschwunden war. Erst dann ging man fast ehrfürchtig dem Spiel wieder nach. Man meinte noch Stunden später, ein brummendes Geräusch im Ohr zu haben.

Dieser Tage besuchte ich das Zeppelinmuseum in Friedrichshafen und manches klärte sich bei mir auf wunderbare Weise auf. Wo befanden sich die Fahrgäste? Die konnten doch niemals alle in der Steuergondel unterhalb der „Zigarre“ sitzen? Und wo befand sich das Gepäck, der Treibstoff? Wie sah überhaupt der Zeppelin von Innen aus? Wie bewegte man sich dort? Wer kochte oder kochte man gar nicht und ernährte sich von Fertigprodukten? Wie verständigte man sich? Per Funk? Und wie funktionierte dies alles zu der Zeit?

Ehrfürchtig steigt der Museumsbesucher die mit Teppich ausgelegten Stufen hinauf, „plumpst“ mittig hinein in den Bauch des original nachgebauten Starrluftschiffes. Plötzlich ist man Fahrgast. Große Fenster geben den Blick frei hinab in die Tiefe, in die Weite. Tische, Stühle, Musik, bemalte Wände, Restauration vom Feinsten, alles lädt ein zur kurzweiligen spannenden exklusiven Reise im Zeppelin von Friedrichshafen nach Lakehurst, Amerika. Feinste Gläser, edles Besteck, klassisches Porzellan, alles extra für diese Luftschifffahrt hergestellt. Zeppelinmotive und Signaturen zierte alles, was mit dem Zeppelin zu tun hat. Speisekarten lassen einen heute noch Appetit auf die feinen Speisen bekommen. Unglaublich, wie die Köche der Luftschiffe auf kleinstem Raum mehrgängige Menüs zauberten.

Deutsche Zeppeline, wie z.B. LZ 127 „Graf Zeppelin“ ( ab 1931 ) und LZ 129 „Hindenburg“ ( ab 1936 ) fuhren fahrplanmäßig im Liniendienst über den Atlantik ( „Graf Zeppelin“ nach Brasilien, „Hindenburg“ sowohl nach Brasilien als auch in die USA ). Dabei beförderten sie Passagiere, Post und Fracht. „Graf Zeppelin“ umrundete 1929 auf der Weltfahrt mit zahlenden Gästen an Bord sogar einmal die Erde. Die Luftschiffe stellten Spitzentechnologie dar und waren gewissermaßen die Condorde der 1930er.

Auf einem meiner Bilder kann man eine kleine Gondel erkennen ( es ist übrigens eine Gondel vom verschrotteten Luftschiff  „Graf Zeppelin“), in dem 1 Mechaniker saß. Über eine Leiter kletterte der jeweilige Maschinist hinein oder hinaus. Schichtwechsel. Kurze Zeit hing dieser in freier Luft und nicht nur er musste schwindelfrei sein. Gab es an der dünnen Außenhaut, die aus schweren und leichten Baumwoll- oder Leinenstoffen bestand, Schäden, kletterte mutiges Schiffspersonal auf die „Zigarre“, suchte nach dem Leck und reparierte es in enorme Höhen. Der Zeppelin konnte Höhen von über 5000 Meter erreichen.

Das Zeppelingerippe erinnert einen an die Märklin Metallbaukästen. Nur das beim Zeppelin das wertvolle Metall Aluminium eingesetzt wird. Wegen seiner enormen Leichtigkeit, man kann im Museum ein fertiges Gestell ohne Probleme lupfen, wurde das teure Material eingesetzt. Auf den Bildern sieht man das blaue Gestänge und die graue Außenhülle, die u.a. mit Hanfschnüren befestigt wurde.

Funktechnisch waren die Zeppeline hervorragend ausgerüstet und ich linke am Ende des Artikels einen Beitrag dazu ein, weil mein Artikel schon zu lang ist.

Eine schreckliche Katastrophe in Lakehurst beendete die Zeppelinluftschifffahrt. Die „Hindenburg“ ging aus bis heute unerklärlichen Gründen ein paar Meter über dem Erdboden in Flammen auf und sekundenschnell brannte der Gigant der Lüfte aus. Nur wenige Menschen konnten sich aus dem Flammeninferno retten. Die meisten Passagiere und Besatzungsmitglieder starben bei dem Unglück. Bis dahin nutzte man die Luftschiffe auch für Kriegszwecke. Hitler wurde nach der Hinderburgkatastrophe die Erhaltung dieser Schiffe zu teuer, er brauchte das Aluminium für seine Kriegsindustrie. Die Zeppeline wurden „eingestaubt“, später verschrottet. Göring ließ alle Zeppelinhallen sprengen, dass war das endgültige Ende.

Heutzutage sieht man immer wieder kleinere Zeppeline in der Luft. Allerdings selten. Und ob in naher Zukunft überhaupt noch Zeppeline am Himmel zu sehen sein werden? Die weltweite Nachfrage nach Helium ist dermaßen gestiegen, da man es vor allem als Kühlmittel für High-Tech-Anwendungen benötigt, sowie in der modernen Diagnosetechnik wie Kernspintografen, die ohne Heliumkühlung sofort ausfallen würden sowie in vielen anderen wirtschaftlichen Bereichen. Die Physiker am Genfer Teilchenbeschleuniger könnten ihre Arbeit ohne das Edelgas gleich ganz einstellen.

So sehr mich die Zeppelintechnologie fasziniert ( auch wenn ich nicht allzu viel davon verstehe) und in den Bann gezogen hat, im Zuge der Ressourcenknappheit muss diese Art der Schifffahrt der Vergangenheit angehören.

jbs 4/13

220 Tonnen – Leichter als Luft

http://www.uni-stuttgart.de/hi/gnt/ausstellungen/zeppelin/4.2_aussenhuelle.html

Erfahrungen im Luftschiff-Funkdienst  http://www.seefunknetz.de/lzzep.htm

Dem Zeppelin geht das Helium aus

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.immer-teurer-dem-zeppelin-geht-das-helium-aus.50cf7b28-95ba-4b47-8247-2b4cea99bf37.html

Nachrichten über Hinderburgkatastrophe einer US-Wochenschau

http://www.youtube.com/watch?v=9nbHAQ2K2WI

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