Verpuuß di! Vom Übersetzen.

„Nase hoch beim Übersetzen. Man übersetzt nicht wie eine Raupe, die sich durch ein Blatt frisst, man übersetzt den Satz aus dem Vogelflug. Es geht um das Ganze.“ Dies ist eine von ungezählt treffenden Aussagen von Swetlana Geier, der legendären Übersetzerin aller großen Werke Dostojewskis. Dies bezieht sich auf Übersetzungen von einer Sprache in die andere.

Anders sieht es bei der Mundartsprache aus. Diese ins Hochdeutsche zu übertragen, hieße, laut dem Lyriker Klaus Groth: „Uns übersetzen heißt die Farbe von unseren Gemälden wischen, um derentwillen wir nach der Mundart griffen; denn sonst hätten wir ja sämtlich nur selber es gleich hochdeutsch schreiben können. Wir wollen vielmehr der deutschen Literatur etwas zuführen, was die schriftdeutsche für sich nicht geben kann, wir wollen die hochdeutsche erweitern zu einer allgemein deutschen.“

Heute entdeckte ich in einem norddeutschen Antiquariat an der Ostsee eine kleine Anthologie: „Niederdeutsche Lyrik, 1945 – 1968“ Herausgeber Rudolf Syring, 1968 im Fehrs-Gilde Verlag, Hamburg-Wellingsbüttel.

Sie enthält plattdeutsche Gedichte von Autoren aus dem gesamten niederdeutschen Sprachraum aus der Zeit von 1945 bis 1968.

Verpuuß di! von Jep Nissen Andersen beschreibt Schnelllebigkeit, Zeit, die läuft, Zeit die jagt, die nicht zur Ruhe kommt. Und wie er sie für eine Stunde anhalten will.

Verpuuß di!

De Tiet, de löppt, – de Tiet, de jaagt, –

De Avend al den Morgen plaagt:

Dat tickt un tackt

Un stampt un dröhnt;

Dat summt un brummt

Un jankt un stöhnt;

Dat Rad regeert op Schritt un Tritt, –

De arme Minsch mutt mit – mutt mit, –

Kömmt ni to Ruh!

– – – – – – –

De Snee daut weg, – de Vörjahrhrsdroom

Stiggt ut de Eer in Busch un Boom;

Dat gröönt un blöht

Un singt und fleit,

De wiede Welt

Voll Wunner steit

Un röppt: „Oh, Minsch, – kumm in mien Schoot,

Hool an dat Rad en lüttje Stoot, –

Verpuuß di mal!“
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