„Meister und Margarita“ von Michail Bulgakov

„Feigheit ist die größte Sünde!“

Motto des Romans

„Nun gut, wer bist du denn? –

Ein Teil von jener Kraft,

die stets das Böse will

und stets das Gute schafft.“

Goethe-Faust

bulgakow

„Meister und Margarita“ von Michail Bulgakov

Urlaub eignet sich hervorragend, um Bücher zu lesen, die eine Seitenzahl von 300 weit überschreiten.

Ein russischer Faust ist mir in dieser Zeit begegnet. Eine fantastische Satire auf das stalinistische Moskau mit Anspielungen auf Goethes Faust und auf russische Schriftsteller wie Gogol oder Dostojewski, eine Abenteuergeschichte, eine Liebesgeschichte, eine philosophische Parabel über Gut und Böse sowie über Macht und Ohnmacht in der Literaturszene.

Alexander Nitzberg, der den Roman „Meister und Margarita“ aus dem Russischen ins Deutsche neu übersetzt hat, schreibt u.a. in seinem Nachwort darüber:
„Ein Buch mit sieben Buckeln … Michail Bulgakows Roman „Meister und Margarita“ ist eines der rätselhaftesten Werke der Weltliteratur, und der Übersetzer begegnet seinen Geheimnissen Seite für Seite, Satz für Satz, oft genug dort, wo sie vom Lesepublikum – sogar dem russischen – übersehen werden. Die Mysterien betreffen nicht allein den Text, sondern auch seine Entstehungsgeschichte und die Legenden, die ihn überwuchern.“ 

Heute entdeckte ich auf dem Videoportal „Vimeo“ eingefügten kleinen Film, der mir sehr gut zum Thema gefällt. Freiheit, insbesondere durch Margaritas Verwandlung mit Azazellos Crème und ihren Flug über Moskau, ein zentrales Thema.

Der Bayrische Rundfunk schreibt am 20.02.2015 zum Buch:

„Die verhexte Wohnung in der Sadowaja 302b

Viele lasen den Roman nach seinem Erscheinen 1966/67 in der Sowjetunion und lernten ihn auswendig. Die verhexte Wohnung Nr. 50 in der Sadowaja 302b, in der Bulgakow selbst von 1921 bis 1924 lebte, wurde zur Pilgerstätte. Diese Wohnung ist auch ein zentraler Handlungsort des Romans, von dem aus der schwarze Magier Woland die Stadt Moskau auf den Kopf stellt: Woland erscheint eines schönen Tages in Moskau, wo er sich am Patriarchenteich in ein Gespräch einmischt, das zwischen Berlioz, dem Redaktuer einer Literaturzeitschrift und Iwan Nikolajewitsch, einem jungen Dichter darüber stattfindet, ob Jesus existiert hat, oder nicht. Woland, der von den beiden für einen Spion gehalten wird, behauptet nicht nur, schon mit Kant beim Frühstück über diese Frage diskutiert zu haben, sondern darüber hinaus, dabeigewesen zu sein, als Pilatus Jesus zum Tode verurteilt hat. Außerdem sagt er Berlioz dessen Tod voraus. Innerhalb kürzester Zeit passieren die seltsamsten Dinge, angefangen mit einem spektakulären Straßenbahnunfall, der Berlioz den Kopf kostet. In den folgenden Tagen treibt er mit den Moskauern allerlei Schabernack, lässt Frauen plötzlich in Unterwäsche auf der Straße stehen, zaubert Geld herbei, das sich kurz darauf in Konfetti verwandelt und befördert lästige Personen binnen Sekunden in die Ferne – oder in die Psychiatrie. Auch seine Begleiter, allen voran ein großer, auf den Hinterbeinen gehender und sprechender Kater, stehen ihm, was ihre Scherze angeht, in nichts nach.

Antiker Handlungsstrang

Der Moskauer Handlungsstrang wird immer wieder durch einen zweiten Strang unterbrochen, in dem von der Verurteilung von Jeschua Ha-Nozri durch den römischen Prokurator Pontius Pilatus erzählt wird. Pilatus leidet an Migräne, misstraut den Menschen, liebt nur seinen Hund und denkt daran, sich das Leben zu nehmen. Dass er diesen eigensinnigen  jungen Mann, der offenbar in der Lage ist, seine Kopfschmerzen zu lindern,  zum Tod am Kreuz verurteilen soll, missfällt ihm. Er ist jedoch dazu verpflichtet – und so wird Jeschua auf den „Kahlen Berg“ gebracht. Zu diesem zweiten, antiken Handlungsstrang zählen noch Judas aus Kirjath, den der römische Geheimdienst wegen seiner fragwürdigen Rolle beim Justizmord an Jeschua später umbringt, und Jeschuas Schüler Levi Matthäus, der die Worte seines Herrn aufschreibt – jedoch oft falsch.

Der Meister

Nach etwa einem Drittel des Romans  tritt der Meister auf. Einst hatte er als hochgebildeter Historiker in einem Moskauer Museum gearbeitet, jetzt aber sitzt er in der Irrenanstalt. Sein Auftreten verknüpft die beiden Erzählstränge. Denn er gibt sich als Autor eines großen Romans über die Begegnung zwischen Jeschua und Pontius Pilatus zu erkennen. Mit seinem Roman ist er am sowjetischen Literaturbetrieb gescheitert. Dies hat ihn in den Wahnsinn getrieben.

Margarita

Seine Geliebte, die verheiratete wohlhabende Margarita, hat er seitdem nicht wiedergesehen. Sie vermissen einander – und so lässt sich die mutige und an Abenteuern interessierte Margarita auf einen faustischen Vertrag mit einem Assistenten Wolands ein. Der Teufel will in der Sadojawa 302b, Wohnung 50, einen Ball geben und lässt dafür Margarita als Ballkönigin anwerben. Verjüngungscremes und eine Flugsalbe verwandeln Margarita in eine fliegende Hexe, die ihre heikle Aufgabe beim Ball so souverän meistert, dass ihr Woland das Wiedersehen mit ihrem geliebten Meister ermöglicht.  Der Meister, der kaum weiß, wie ihm geschieht, überlässt sich Margarita, die einwilligt, gemeinsam mit Woland aufzubrechen und die irdische Welt hinter sich zu lassen. Sie lassen sich vergiften und zu neuem Leben erwecken. Auf schwarzen Pferden fliegend verlassen die Liebenden mit Woland und seinem Gefolge die Stadt.

Kampf des Individuums als Hexentanz

Meister und Margarita ist auch als politische Groteske zu lesen, in zahlreichen Andeutungen zeigt Bulgakow das Diabolische im Alltag der Sowjet-Diktatur. Er beschreibt diesen Kampf des Individuums gegen politische Unterdrückung als einen Hexentanz, der sich unter anderem ausdrückt durch Literatur und menschliche Liebe, die sogar den Tod zu überwinden vermag.“

Auszug aus:
http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/hoerspiel-und-medienkunst/hoerspielbulgakow-meister-margarita-100.html

Der dtv-Verlag, in dem „Meister und Margarita“ 2014 erschien, schreibt u.a. zu Autor und Übersetzer:

Autor: Michail Bulgakov lebte von 1891 bis 1940. ( Randnotiz  von mir: Diese Lebenszeit ist übrigens fast identisch mit der von Kurt Tucholsky, der von 1890 bis 1935 lebte.) Er studierte Medizin, war Autor, Dramatiker, Übersetzer und Theaterregisseur. Berühmt geworden sind seine Romane und Erzählungen ( u.a. „Die weiße Garde“, „Das hündische Herz“) sowie Theaterstücke ( u.a. „Die Tage der Turbins“). Ab 1930 wurden die Werke Bulgakows in der Sowjetunion nicht mehr veröffentlicht, Bulgakow stellte mehrfach Ausreiseanträge, die ihm aber verwehrt wurden. Als er mit 49 Jahren starb, hatte er die letzten zwölf Jahre an seinem Lebenswerk „Meister und Margarita“ geschrieben.

Übersetzer Alexander Nitzberg: Der Lyrike und Übersetzer Alexander Nitzberg wurde 1969 in Moskau geboren. Er lebt in Wien. Seine Übersetzungen ( u.a. Daniil Charms, Anna Achmatowa, Anton Tschechow, Waldimir Majakowski, Edmund Spenser) und seine eigenen Gedichtbände ( zuletzt: „Farbenklavier“, 2012) wurden viel beachtet und mehrfach ausgezeichnet.

Eingefügte Notiz zu Swetlana Geier zum Thema Übersetzung

Alexander Nitzberg erinnerte mich an Swetlana Geier (1923 – 2010). Sie war eine Literaturübersetzerin, die Dostojewskis fünf große Romane neu ins deutsche übersetzt hatte. Zitat von ihr bzw. ihrer Lehrerin:

„Meine Lehrerin hat immer gesagt: ‚Nase hoch beim Übersetzen‘. Das heisst, man übersetzt nicht von links nach rechts, wie eine Raupe kriecht, sondern nachdem man sich den Satz angeeignet hat. Er muss nach innen genommen, ans Herz gelegt werden. Ich lese das Buch so oft, bis die Seiten Löcher kriegen. Im Grunde kann ich es auswendig. Dann kommt ein Tag, an dem ich plötzlich die Melodie des Textes höre.“  
Über Svetlana Geier gibt es einen Film auf DVD – den hatte mir eine Freundin zu Weihnachten geschenkt  – eine leise Dokumentation über eine beeindruckende Frau. „Die Frau mit den 5 Elefanten“:
Die eingefügte Schwarzweißaufnahme von Michail Bulgakow findet man auf dieser Seite:
http://www.peterkrueger.net/s/cc_images/cache_2437611687.jpg?t=1367659960
Hörspiel in 12 Teilen. BR:
http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/hoerspiel-und-medienkunst/hoerspielbulgakow-meister-margarita-100.htmldtv-Verlag: 
http://www.dtv.de/buecher/meister_und_margarita_14301.html

 
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