Byung-Chul Han – Ein kritischer Denker

„Warum finden wir heute das Glatte schön?“ fragt Byung-Chul Han.

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(c) jbs 2ooofünfzehn

Der Philosoph Byung-Chul Han wird als einer der letzten kritischen Denker bezeichnet. Heute las ich in einem Artikel, er würde als Star seiner Zunft gelten, er würde mit wenigen Sätzen Gedankengebäude zum Einsturz bringen, die unseren Alltag tragen siehe hier .

Mir gefällt, wie er in dem Interview mit Niels Boeing und Andreas Lebert, u.a. den Zusammenhang zwischen Brazilian Waxing, den Skulpturen von Jeff Jones und dem iPhone herstellt. Han meint:

„Die Gemeinsamkeit ist doch ganz einfach zu sehen: Es ist das Glatte. Das Glatte charakterisiert unsere Gegenwart. Kennen Sie das G Flex, ein Smartphone von LG? Dieses Smartphone ist mit einer besonderen Beschichtung versehen: Wenn Kratzer entstehen, dann verschwinden diese nach kürzester Zeit, es hat also eine selbst heilende Haut, fast eine organische Haut. Das heißt, das Smartphone bleibt ganz glatt. Ich frage mich: Warum stören einen ein paar Kratzer, die auf einem Gegenstand entstehen? Warum dieses Streben nach einer glatten Oberfläche? Schon eröffnet sich ein Zusammenhang zwischen dem glatten Smartphone, der glatten Haut und der Liebe.“

Und noch ein Zitat aus dem Artikel von Byung-Chul Han: „Es gibt heute keine Sprache – es gibt eine Sprachlosigkeit und eine Ratlosigkeit. Der Sprache wird heute die Sprache genommen. Auf der einen Seite gibt es einen ungeheuren Lärm, einen Kommunikationslärm, auf der anderen Seite eine unheimliche Stummheit. Und diese Stummheit unterscheidet sich vom Schweigen. Schweigen ist sehr beredt. Schweigen hat eine Sprache. Stille ist auch beredt. Stille kann auch Sprache sein. Aber der Lärm und die Stummheit sind ohne Sprache. Es gibt nur sprachlose, lärmende Kommunikation, das ist ein Problem. Heute gibt es nicht einmal Wissen, sondern nur Information. Wissen ist etwas ganz anderes als Information. Wissen und Wahrheit klingen heute sehr veraltet. Wissen hat auch eine ganze andere Zeitstruktur. Es spannt sich zwischen Vergangenheit und Zukunft. Und die Zeitlichkeit der Information ist die Gegenwart, das Präsens. Wissen beruht auch auf der Erfahrung. Ein Meister verfügt über Wissen. Heute leben wir mit einem Terror des Dilettantismus.“

aus: Zeit online – Kultur Nr. 05/2014, Seite 5/5

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Zwischen Himmel und Erde – François Cheng

François Cheng, ein Schriftsteller, Dichter und Kalligraf äußert sich in seiner „Ersten Meditation“:

„In diesen Zeiten des allgegenwärtigen Elends und der blinden Gewalt, der Naturkatastrophen und der ökologischen Desaster mag es unpassend und unschicklich erscheinen, über die Schönheit zu sprechen. Eine Provokation, beinahe ein Skandal. Doch gerade dadurch wird uns deutlich, dass die Schönheit – dem Bösen entgegengesetzt – ihren Platz am anderen Ende einer Wirklichkeit hat, der wir uns stellen müssen. Ich ( François Cheng ) bin davon überzeugt, dass es unsere dringende und bleibende Aufgabe ist, diesen beiden Geheimnissen, welche die zwei Pole des lebendigen Universums bilden, ins Auge zu sehen: dem Bösen einerseits und dem Schönen andererseits.“ …

Es geht natürlich noch weiter im Text zur Ersten Meditation. Jedoch, nur diese wenigen Zeilen von Cheng drücken genau das aus, was ich empfinde.

François Cheng „Fünf Mediationen über die Schönheit“ beck’sche reihe, 2013, Seite 11

Zwischen Himmel und Erde  2ooofünfzehn

Zwischen Himmel und Erde
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Gletscher – Naturwunder aus Eis

Die fotografische Zeitreise Gletscher im Treibhaus fiel mir dieser Tage im Bücherregal eines Gasthofs im Martelltal, Südtirol, in die Hände. Autoren und Fotografen des Buchs setzen sich kritisch mit den ökologischen Auswirkungen der Industriewelt auseinander. Auch von Mojib Latif finde ich zum Thema „Der globale Klimawandel“ einen interessanten Beitrag. Latif ist durch seine mediale Präsenz vielen Menschen bekannt. Auf tagesschau24 warnte er am 12.08.2015 erneut, das der Klimawandel auch bei uns zuschlägt und er geht davon aus, dass in dreißig Jahren sowohl Dürreperioden als auch das Gegenteil – heftiger Niederschlag – noch häufiger auftreten.

Über siebzehn Tage lang wanderte ich in Südtirol oberhalb der Baumgrenze und beobachtete dabei u.a. verschiedene Gletscher im Alpengebiet, zum Beispiel den Zufallferner, Hohenferner, Schranferner. Ich konnte nicht aufhören, das Gletschereis, Gletscherwasser und Gletscherwasserfälle zu fotografieren, mich ihrer Faszination hinzugeben, ihnen aber auch meinen riesengroßen Respekt entgegenzubringen. Steht man diesen Eisriesen Angesicht zu Angesicht gegenüber, wild und unberechenbar bedrohen ihre Eismassen  Mensch und Tier. Trotzdem liegt ein mystischer Zauber, etwas rätselhaftes und Unerklärbares über diese Wasserspeichergiganten.

Was wäre die Alpenwelt ohne ihren prächtigen weißen Schmuck der großen Berge? Eine Wüstenlandschaft, denn das Eis bindet nahezu 90 Prozent des gesamten Süßwassers auf der Erdoberfläche. Würde dieses Süßwasser nicht mehr in Form von Eis gespeichert, käme es zu Überschwemmungen, zu einem katastrophalen Anstieg des Meeresspiegels. Der Permafrost würde auftauen. Permafrostböden „kitten“ mit ihrem Eis sozusagen Felsgestein, Schutt, Steine und Böden aneinander. Wenn es jedoch taut, verliert der Gletscher logischerweise sein Gewicht und die Landschaft, die er bisher zusammendrückte, hebt und senkt sich, kommt in Bewegung. Erd-und Steinrutsche, Felsstürze und Schlammlawinen lösen sich vom Berg, rutschen ins Tal, vernichten Menschen, Landschaften, Kulturräume. Das Alpengebiet würde einer Mondlandschaft gleichen: kein grünes Leben könnte sich ohne Wasser bilden. Es gäbe keine Hochmoore mehr, keine Wälder, keine Wiesen, auf denen die Bauer auf schrägsten Hanglagen Heu einholen würden, kein Leben in Bergdörfern-städten wäre ohne Wasser möglich.

Das Kyoto-Protokoll ist ein erster wichtiger Schritt, in dem sich die Industrieländer verpflichten, ihre Treibhausgasemissionen zu mindern. Einen notwendigen Klimaschutz liefert das Kyoto-Protokoll aus Sicht der Klimaforscher in der gegenwärtigen Form allerdings nicht. Um gravierende Klimaänderungen in den nächsten hundert Jahren zu vermeiden, müsste der Ausstoß von Treibhausgasen auf ein Bruchteil des heutigen Ausstoßes bis zum Jahr 2100 reduziert werden. In der Zukunft muss daher der Einführung der regenerativen Energien mehr Gewicht beigemessen werden, denn nur diese, insbesondere die Sonnenenergie, stehen unbegrenzt zur Verfügung. ( Seite 225 aus Gletscher im Treibhaus ).

Besonders unter diesen Aspekten wird beim Hochgebirgswandern deutlich, dass bis zum heutigen Tag die Gletscher einen elementaren Bestandteil des alpinen Mythos bilden und Identifikation für ganze Regionen und Länder bilden.

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