Gletscher – Naturwunder aus Eis

Die fotografische Zeitreise Gletscher im Treibhaus fiel mir dieser Tage im Bücherregal eines Gasthofs im Martelltal, Südtirol, in die Hände. Autoren und Fotografen des Buchs setzen sich kritisch mit den ökologischen Auswirkungen der Industriewelt auseinander. Auch von Mojib Latif finde ich zum Thema „Der globale Klimawandel“ einen interessanten Beitrag. Latif ist durch seine mediale Präsenz vielen Menschen bekannt. Auf tagesschau24 warnte er am 12.08.2015 erneut, das der Klimawandel auch bei uns zuschlägt und er geht davon aus, dass in dreißig Jahren sowohl Dürreperioden als auch das Gegenteil – heftiger Niederschlag – noch häufiger auftreten.

Über siebzehn Tage lang wanderte ich in Südtirol oberhalb der Baumgrenze und beobachtete dabei u.a. verschiedene Gletscher im Alpengebiet, zum Beispiel den Zufallferner, Hohenferner, Schranferner. Ich konnte nicht aufhören, das Gletschereis, Gletscherwasser und Gletscherwasserfälle zu fotografieren, mich ihrer Faszination hinzugeben, ihnen aber auch meinen riesengroßen Respekt entgegenzubringen. Steht man diesen Eisriesen Angesicht zu Angesicht gegenüber, wild und unberechenbar bedrohen ihre Eismassen  Mensch und Tier. Trotzdem liegt ein mystischer Zauber, etwas rätselhaftes und Unerklärbares über diese Wasserspeichergiganten.

Was wäre die Alpenwelt ohne ihren prächtigen weißen Schmuck der großen Berge? Eine Wüstenlandschaft, denn das Eis bindet nahezu 90 Prozent des gesamten Süßwassers auf der Erdoberfläche. Würde dieses Süßwasser nicht mehr in Form von Eis gespeichert, käme es zu Überschwemmungen, zu einem katastrophalen Anstieg des Meeresspiegels. Der Permafrost würde auftauen. Permafrostböden „kitten“ mit ihrem Eis sozusagen Felsgestein, Schutt, Steine und Böden aneinander. Wenn es jedoch taut, verliert der Gletscher logischerweise sein Gewicht und die Landschaft, die er bisher zusammendrückte, hebt und senkt sich, kommt in Bewegung. Erd-und Steinrutsche, Felsstürze und Schlammlawinen lösen sich vom Berg, rutschen ins Tal, vernichten Menschen, Landschaften, Kulturräume. Das Alpengebiet würde einer Mondlandschaft gleichen: kein grünes Leben könnte sich ohne Wasser bilden. Es gäbe keine Hochmoore mehr, keine Wälder, keine Wiesen, auf denen die Bauer auf schrägsten Hanglagen Heu einholen würden, kein Leben in Bergdörfern-städten wäre ohne Wasser möglich.

Das Kyoto-Protokoll ist ein erster wichtiger Schritt, in dem sich die Industrieländer verpflichten, ihre Treibhausgasemissionen zu mindern. Einen notwendigen Klimaschutz liefert das Kyoto-Protokoll aus Sicht der Klimaforscher in der gegenwärtigen Form allerdings nicht. Um gravierende Klimaänderungen in den nächsten hundert Jahren zu vermeiden, müsste der Ausstoß von Treibhausgasen auf ein Bruchteil des heutigen Ausstoßes bis zum Jahr 2100 reduziert werden. In der Zukunft muss daher der Einführung der regenerativen Energien mehr Gewicht beigemessen werden, denn nur diese, insbesondere die Sonnenenergie, stehen unbegrenzt zur Verfügung. ( Seite 225 aus Gletscher im Treibhaus ).

Besonders unter diesen Aspekten wird beim Hochgebirgswandern deutlich, dass bis zum heutigen Tag die Gletscher einen elementaren Bestandteil des alpinen Mythos bilden und Identifikation für ganze Regionen und Länder bilden.

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