West-östlicher Divan – Johann Wolfgang von Goethe

Warum lesen?
Warum sollten wir lesen?
Vielleicht deshalb, um die Welt um uns herum besser zu verstehen? Um menschliche Konflikte besser deuten zu können, um Empathie für fremde Schicksale einzuüben, um die ästhetische Urteilskraft zu schulen?

Professor Wertheimer aus Tübingen gibt hier Antworten.

Anil Bhatti führt zum West-östlichen Divan, der umfangreichsten Gedichtsammlung des großen deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe, die durch die Werke des persischen Dichters Hafis inspiriert wurde, aus:

In der Divan-Lyrik wird die Tatsache, dass es kulturelle Differenzen gibt, wahrgenommen; aber sie wird nicht essentialisiert. Anstatt Kulturdifferenz einzufrieren und sie dann für die Hermeneutik vom Eigenen und Fremden verfügbar zu machen, hat Goethe das Moment der Verschränkung zwischen Ost und West in den Vordergrund gestellt. Einige Gedichtentwürfe von Goethe aus dem Nachlass beleuchten diesen Aspekt des Selbstverständigungsprozesses
eines ‚work in progress’:

aus: „West-östlicher Divan“ von Johann Wolfgang von Goethe.

[ … ]
Wer sich selbst und andere kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.
[ … ]
Und mag die ganze Welt versinken,
Hafis, mit dir, mit dir allein
Will ich wetteifern! Lust und Pein
Sei uns, den Zwillingen, gemein!
Wie du zu lieben und zu trinken,
Das soll mein Stolz, mein Leben sein.
[ … ]

„Es ist ein Großwerk des Dialogs, im Einfühlungsvermögen in die islamische Kultur ist Goethe ein Gigant“ ( Zitat: Thomas Lehr ).

Bei Goethe begegnet das „lyrische Ich“ dieser persischen Dichtung mit Gelassenheit und betrachtet sie als gleichberechtigt.

Erich Fromm – Die Kunst des Liebens

 

(c) jbs 2ooovierzehn Pragser Dolomiten - Wanderung auf den Dürrenstein

(c) jbs 2ooovierzehn
Pragser Dolomiten – Wanderung auf den Dürrenstein

„Nicht als ob man meinte, die Liebe sei nicht so wichtig. Die Menschen hungern geradezu danach; sie sehen sich unzählige Filme an, die von glücklichen oder unglücklichen Liebesgeschichten handeln, sie hören sich Hunderte von kitschigen Liebensliedern an – aber kaum einer nimmt an, dass man etwas tun muss, wenn man es lernen will zu lieben.“ Erich Fromm

Buchrückentext – Erich Fromm – Die Kunst des Liebens – dtv edition – 1996

Erich Fromm ( 1900 – 1980 ) war ein Psychoanalytiker und Sozialphilosoph. 1933 emigrierte er in die USA, dort lehrte er an verschiedenen Instituten, von 1950 bis 1974 dann an der Universität von Mexiko City. 1980 starb er in Locarno in der Schweiz.

Fundsache unterhalb der Savoyarde

(c) jbs  Seitenwand der Basilika Sacré-Cœur, Paris, 2ooofünfzehn

(c) jbs
Seitenwand der Basilika Sacré-Cœur, Paris, 2ooofünfzehn

Da lag sie. Erkaltet, zerknittert und endlich aufgewacht. Sie erzählte vom Chronisten des Unterirdischen und dem Überhimmlischen.

Wie sie auf dem Uferweg langsam Richtung Hafen torkelten, immer den Laternen nach. Und dann aber eine Treppe fanden, dieser bis zum höchsten Punkt hinauf folgten und sich plötzlich unterhalb der Savoyarde wiedergefunden hatten. Er nahm sie dort auf den Kopf, hob die Arme wie ein Priester zum Gebet und schritt so am Eisengeländer dem Fluchtpunkt seiner Perspektive zu. Und keiner sah zu. Wie er müde geworden war, sich auf die Erde legte, sich zusammenrollte wie ein Siebenschläfer, wie ein Embryo, und immer weniger dem ähnelte, was in Vorzeiten am sechsten Tag geschaffen wurde. Ausgeruht wird aber am siebten Tag. Sie schlief dort allerdings gewiss Jahre. Bis meine Camera obscura sie fand.

jbs 2ooosechzehn

In den Scheunen trocknet aufgehängte Stille …

(c) jbs 2ooofünfzehn

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In den Scheunen trocknet aufgehängte Stille –

Die Bären meiner Träume nahmen alle Bienenstöcke aus –

Die Zeit blieb stehn in ferner Zukunft –

und bleibt vergangen auf der Tenne hinterm Haus –

Reiner Kunze

 

aus: Die wunderbaren Jahre, Fischer Verlag, 1976, Seite 118