watt, würmer, wonne

NDR.de „Naturschönheit hinterm Deich – Katinger Watt“

Der Beobachtungsturm im Katinger Watt darf aus Sicherheitsgründen derzeit nicht bestiegen werden. Daher wichen wir auf das Nabu-Naturzentrum Katinger Watt aus. Im und um das Lina-Hähnle-Haus erwartete uns eine zauberhafte Idylle. Hinter diesem Link kann man auf Entdeckungsreise gehen.

Und nur ein paar Schritte weiter, auf der Deichkrone stehend, konnte man unendlich weit über das Wattenmeer schauen. Wieviele Wattwürmer dort wohl täglich buddeln?

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Heinz Erhardt, mehrmals im Nabu-Zentrum zitiert, wusste auch über das Befinden von Wattwürmern zu berichten:

Wattwurms Erwachen
Mitten in der dunklen Nacht
ist der Wattwurm aufgewacht.
Das Watt lag still, er fragte sich:
„Herrjemineh, was weckte mich?
War es des Mondes trübes Licht?
Nee, das war es sicher nicht.
War es des Leuchtturmwärters Singen?
Das kann nicht bis hier draußen dringen.
War es der Deich mit seinen Schafen?
Nein, dabei kann ich prima schlafen.
War es des Austernfischers Schrei?
Quatsch, der wär´ mir einerlei.
War es der Ruf des Kabeljaus?
Nee, ich glaub, das schließ´ ich aus.
Ist eine Scholle am verrecken?
I wo, das würde mich nicht wecken.
Dann war es etwa gar der Butt?
Der macht den Schlaf mir nicht kaputt.
So keift der Aal des Nachts durch´s Watt?
Ach was, den überhör´ ich glatt.
Oder der Hummer, der oft stöhnt?
An den hab´ ich mich längst gewöhnt.
Es war nicht Dorsch, auch Flunder nicht,
Und ich bin müde im Gesicht.
Doch drunt´ im Bauch spür ich ´ne Ecke,
denn mit dem Sand fraß ich ´ne Schnecke.
Dann wird´s wohl Magengrimmen sein!“
Dacht´ sich der Wattwurm –
Und schlief ein.
Heinz Erhardt

 

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gras

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jbs 2tausend18

gras von gerhard gundermann

als wir endlich gross genug warn
nahmen wir unsere schuh
die bemalte kinderzimmertür
fiel hinter uns zu
vater gab uns seinen mantel
und sein blauen hut
mutter gab uns ihre tränen und
machte uns ein zuckerbrot

immer wieder wächst das gras
wild und hoch und grün
bis die sensen ohne hass
ihre kreise ziehn
immer wieder wächst das gras
klammert all die wunden zu
manchmal stark und manchmal blass
so wie ich und du

als wir endlich alt genug warn
stopften wir sie in den schrank
die allzuoft geflickten flügel
und gott sagte gott sei dank
und nachts macht diese stadt
über uns die luken dicht
und wer den kopf zu weit oben hat
der findt seine ruhe nicht

Bücher//Bücher

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Wenn der Alltag nicht durch Erwerb ausgefüllt ist, dann genieße ich derzeit lesen-lesen-lesen.
Und weil ich mich hier endlich mal wieder melden möchte, zitiere ich Zeilen von Mascha Kalekó. Die passen irgendwie.
Ansprache eines Bücherwurms
Der Kakerlak nährt sich vom Mist,
Die Motte frißt gern Tücher,
Ja selbst der Wurm ist, was er ißt.
Und ich — ich fresse Bücher.

Ob Prosa oder Poesie,
Ob Mord- ob Heldentaten-
Ich schmause und genieße sie
Wie einen Gänsebraten.

Ich bin ein sehr belesener Herr,
Nicht wie die anderen Viecher!
Daß Bücher bilden, wißt auch ihr,
Und ich— ich fresse Bücher.

Die Nahrung, sie behagt mir wohl,
Verleiht mir Grips und Stärke.
Was andern Wurst mit Sauerkohl,
Das sind mir Goethes Werke.

Ich fraß mich durch die Literatur
So mancher Bibliotheken;
Doch war‘n das meiste, glaubt es nur,
Bloß elende Scharteken.

Das Bücherfressen macht gescheit.
So denken sich`s die Schlauen.
Doch wer zuviel frißt, hat nicht Zeit,
Es richtig zu verdauen.

Drum lest mit Maß, doch lest genug,
Dann wird`s euch wohl ergehen.
Bloß Bücher fressen macht nicht klug!
Man muß sie auch verstehen.

Mascha Kalekó