Erich Fried – Meer

Meer

Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren

und den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes
einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen

Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nicht mehr wollen wollen
nur Meer

Erich Fried 1921 – 1988

ausdemküchenfensterbeobachtungen

Mein Yoga-Specht ist von Haus aus ein Buntspecht, der mit Partner/in täglich zur Futteraufnahme die Meisenknödel aufsucht. Bewundernswert ist seine akrobatische Fähigkeit, im Gehölz zu klettern. Nichtsdestotrotz – ein paar Stolperer, weil er es zu eilig hatte, z.B. im Rückwärtsgang zur Körnerquelle zu kommen, gab es immer wieder. Das ließ sich leider nicht mit dem Fotoapparat festhalten, aber die Vorstellung jener Vorstellung lässt sich mühelos jederzeit wiederholen. Die Lacher auch.
Und so dermaßen dicht habe ich noch nie ein schwarzes Eichhörnchen zu Gesicht bekommen. In Erinnerung war mir, gelesen zu haben, dass die schwarzen Eichhörnchen die roten Eichhörnchen aus ihrem Lebensraum verdrängen würden. Es gibt dazu auch eine Gegenmeinung. Wie sich das nun richtig verhält, kann ich leider nicht beantworten. Aber vielleicht weiß ein/e Leser/in mehr über diesen possierlichen Nussknacker.
Nüsse gibt es übrigens unterhalb der Vogelfutterstelle in rauen Mengen, da das Vogelhäuschen samt Meisenknödelsäule in direkter Nachbarschaft zu einem Hasel steht.
Der Vollständigkeit halber zähle ich noch die Vögel auf, die auch Hunger haben und sich daher sehr oft zum Magen füllen blicken lassen:
Kohlmeisen, Blaumeisen, Tannenmeisen, Amseln, Buchfinken, Rotkehlchen, Stieglitze, Grünfinken, Erlenzeisige, Dompfäffe, Grünspecht, Mittelspecht, Buntspechte, Spatzen, Kleiberpärchen, Eichelhäher.
Wenn ich so aufzähle, es kommt eine schöne Vogelvielfalt zutage. Mal schauen, wie viele bunte Federbesitzer über den Winter zu Besuch kommen werden.

Yoga-Specht

Yoga-Specht im November 2019 (c) jbs

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Schwarzes Eichhörnchen (c) jbs

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Yoga-Specht im November 2019

winterlich[t] II

spätherbstreise gen winter. reußenstein rundherum im detail. es war ein herrlicher wandertag über den wolken. brömstrup hätte es sehr gefallen.

Puten im Rampenlicht

Das war eine ganz besondere Begegnung! Die zwei Puten stolzierten in aller Ruhe über eine Straße in der Nähe des Kaps von Trio Petra, pickten hier, tranken dort, um dann endlich nach der Überquerung des Asphalts auf ein Mäuerchen zu fliegen. Im Federrücken die warme Wand einer kleiner Kapelle. Nachts, auf der Rückfahrt, saßen die zwei immer noch auf der Mauer und wenn man sie nicht schon am späten Nachmittag gesehen hätte, die Phantasie wäre mit mir durchgegangen.

brömstrup [10]

nur licht.

im übermaß.

eine türkisblaue brandung ist baiserverziert und liefert brömstrup täglich ein großleinwandaquarell.
gen land stolpert brömstrup über steine! steine, steine, steine! billiarden steine. felsen. schluchten. felsbuchten. statt getreide auf den feldern: steine! faustgroß. steinumschlossene hochtäler. brömstrup lässt seinen blick weiter schweifen und wandert durch silbrige olivenbaumplantagen. er bestaunt knorrig verdrehte stämme. in einer länglichen stammhöhle schmiegt ein alter faltiger schäfer seinen rücken in das innenleben des noch älteren. er verwächst mit dem stamm. jetzt! bewegt der alte seine augenlider? brömstrup ist sich nicht sicher. hat er baumbart auf kriti wieder gefunden?
in klippennähe ausgetrocknete riesenfenchelhalme. sie rasseln mit ihren samen. das gefällt nicht nur dem scirocco. darüber immer wieder aufsteigende turmfalken. lautlos lassen sie sich über klippen tragen. ein schwarzkehlchen beobachtet von hoher dornenbuschspitze aufmerksam die gegend und irgendwo aus der ferne, hört brömstrup glocken. leises gebimmel. dort wird wieder eine schafherde unterwegs sein, stellt er fest, auf der suche nach nahrung. brömstrup wundert sich immer wieder, wie die unzähligen wolllieferanten satt werden können. karge böden, auf denen fast nur steine wachsen! und nachwuchs haben die vierbeiner im gepäck. sozusagen.
schafdialoge im freilufttheater: lämmchen ruft in zarten doch ängstlichen höchsten tönen ununterbrochen nach seiner mutter. und aus einer ganz entfernten ecke, hinter geländewellen und felsen blökt es in abständen zurück. und wenn sie sich wieder gefunden haben, dann wird erst einmal milch geliefert, bevor sich die vierbeiner erneut auf strecke machen.
brömstrup wird müde vom schauen und gehen. und er setzt sich. schmiegt sich an einen alten verknorrten baumstamm. zwei oliven fallen in seinen schoss. die eine ist grün, die andere blauschwarz. und schon fegt scirocco heran. fächelt heißen wüstenwind um brömstrups stirn. brömstrup schließt seine augen und kriecht im schatten tausender silberblätter in sich selbst hinein. 

jbs 2tausend19

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Imbrosschlucht – Steintor 2019

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Steine – Steine. 2019

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Südkreta – 2019

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Baiserwoge – Trio Petra – Kreta 2019

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Riesenfenchel 2019

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Riesenfenchel 2019

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Nach ewig langem Geblöke hatte das Lämmchen endlich seine Mutter wieder gefunden. Kreta 2019

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Olivenbaum am Kedros – Kreta 2019