haiku 129

haiku 129

hinter stationen
laubgehölze im windmond
                ein zug rauscht vorbei

jbs 2tausend18

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brömstrup oder sechs tage nach äquinoktium

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sechs tage nach äquinoktium fliegt brömstrup durch die nacht. hoch in den norden. gen polarlicht. brömstrup betritt eine unbetretende stelle und kann beobachten, wie das leuchten durch einen hin und her geworfenen walross-schädel beim ballspielen entsteht. er schlägt seine beine übereinander. und denkt. denkt über das gesehene nach. aber ohne ergebnis. und die elche werden melancholisch. und brömstrup weiß nicht, wie er sie erheitern soll. am see mälaren jedoch, im schwedischen mariefred in der gemeinde strängnäs begreift brömstrup. endlich weiß er: solang man auch trödelt, es wird nicht früher.
jbs 2tausend18

 

 

zettel(s) träume

Ruinenort. Eine Klosteranlage im Verfall. Zettel(s) – Träume lieferten mir allerdings Hinweise auf erst kürzlich gemachten Künstlerbesuch. Kreatives Leben in unbewohnten Funktionsräumen des Klosters „Moni Asomaton“ inmitten des Amaribeckens in Südkreta.

In der Antike war die Funktion der Schrift ein elitäres Privileg. Die Schriftbeherrschung ist bis heute zu einer unabdingbaren Voraussetzung der Teilnahme am modernen Leben geworden.

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jbs 2tausend18 Moni Asomaton. Kreta.

brömstrup [8]

schüsse am morgen

herbe klanginstallation

ein kaninchen schmort

brömstrup [6]

so klingt also die absolute stille.
die übrigens so still ist, das die stille die stille verschluckt.

sie rinnt wie durch einen trichter hindurch in eine nächste stille.
zu jeder tageszeit gibt es eine bestimmte art von stille. in der frühen morgenfrühe schläft tatsächlich alles noch. auch die natur. brömstrup kann direkt in sie hineinhören, regelrecht hineinschlupfen, er hört nichts. absolut nichts.

und dann? – ein schuss!

ist der laut seiner phantasie entsprungen?

nein.

denn noch ein knall teilt seinen morgenbiskuit in zwei hälften.

dann ist wieder stille.

beim frühstück.

der schuss, so stellt es sich später heraus, wurde von einem schäfer aus einer schrotflinte abgegeben. kaninchen. für den topf. überall bieten tavernas in der gegend „kaninchen. geschmort“ an. und eigens geschossene kaninchen steuern zum mageren monatsverdienst ein paar euro dazu.
die stille bricht auseinander wie ein kanten brot, wenn zum beispiel wind aufkommt.

erst vernimmt brömstrup ein zischeln, ein kurzes fauchen. wirklich nur kurz.

ankündigung für etwas größeres. das merkt er gleich. aber er realisiert es nicht sofort. erst beim nächsten, längeren schnauben, als servietten und zettelträume vom tisch fliegen und brömstrups badelatschen vom balkon in den garten segeln, erst dann nimmt er ihn ernst. den wind. und dann ist der auch schon richtig angekommen. braust um gemäuer, verfängt sich in balkongitter, saust durch offene treppenaufgänge, pfeift brömstrup regelrecht um die ohren.

nun ist es aus mit der stille.

denkt brömstrup.

doch so plötzlich wie er kam, legt sich der wind schon wieder zur ruhe.

hörst du die stille?

laut. los. weg!

doch pfeifendeckel!

diesmal kündigt er sich nicht mit einem zischeln an. er brüllt gleich um alle ecken, fuhrwerkt durch bougainvillearanken, lässt blütenblätter hoch in den himmel fahren, um dann selbst, aus einiger entfernung zuzusehen, wie ein rosa-lila, regelrechter ozean herabschwebt und den boden bedeckt, den er minuten später auf seine art und weise erneut fegt.

dabei sammelt er aus jeder ecke schäbige tüten aus plastik auf, zigarettenstummel, coffee-to-go-überreste, papierfetzen. „péta“ entziffert brömstrup. péta-fetahersteller grasen auf mageren böden hinter grenzenlosen dünen, in den weiten der stille. erkennt brömstrup.

vertrocknete stranddisteln, herbe thymianbüsche, wilde möhren, strandhafer, seezwiebeln, oregano. ein bester platz der welt in konkurrenz mit konsum. bedenkenlos.

kurze zeit später rollen und hüpfen vor brömstrups füßen auf feinstem sand gedörrte kaninchenköttel. entfernt erinnern sie ihn an ziselierte perlen. oder an winzige muskatnüsschen. flüchtig.

flüchtige sandspuren.
stille zieht stille an.

absolut.

still.

dann nimmt ein ameisenlöwe seine arbeit auf. brömstrup nimmt ihn unterhalb wilder thymiansträucher wahr. ein kleiner schatten. bewegungen im leisen. der hinterleib des ameisenlöwen bohrt sich ruckweise in den sand ein. und? kein grabungslaut!

rieselnd perlt sand immer wieder in den trichter zurück.
der kleine könig von korinth wälzt unermüdlich seinen fels.

so klingt also absolute stille.
die übrigens so still ist, das die stille die stille verschluckt.

sie rinnt wie durch einen trichter hindurch in eine nächste stille.

brömstrup installaliert seine stillen klänge auf papier.

jbs 2tausend18

Nachtrag: brömstrup [6] muss brömstrup [8] lauten.