alpine flair

beautiful silence
lake constance with alpine flair
good bye – see you soon

IMG_6309

Advertisements

haiku 116

IMG_7733

(c) jbs 2tausend17 fotografie/unplugged

haiku 116
kaltzeit im geäst
unter dicker borkenschicht
zuckerfestauflauf
(c) jbs 2tausend17
Winterspaziergang. Nordwinter. 
Und kaum Leben im Unterwegs. Und dann dieser eine Baum. Das Geäst mit Schnee bedeckt. Vögel und Fellohren kauern in mit Mulm gefüllten Baumhöhlen. Lauschen auf das Klopfen und Schaben tausender Sechsfüßer. Unter der Baumrinde, gleich unter ihrer dicken Borke neben einer wunden Stelle – vielleicht ist diese durch Wildverbiss entstanden – weilen sie. Gefräßige Insekten im Zuckersaftrausch.
Aufrufung zum Zuckerfest. 

Kantorka

// Kantorka kommt //

IMG_5290

Alpendohle auf dem Dach der Langkofelhütte (c) jbs 2tausend17

aus: Was man so alles in Bilder hineinsehen kann.

„Krabat lernt die Kantorka in der Osternacht kennen. Er sieht sie zum ersten Mal, als er und Tonda sich bei Bäumels Tod das Ostermal holen müssen und sie Lied um Lied singend durch die Dorfstraßen Schwarzkollms zieht. Ein Jahr später als er die Kunst des „Aus-sich-heraus-gehens“ beherrscht und abermals am Osterfeuer sitzt, beobachtet er sie aus der Nähe. Im 3. Jahr spricht er in Gedanken zu ihr und bittet sie auf ihn zu warten. Von diesem Zeitpunkt an ist Krabat in die Kantorka verliebt. Als Juro ihm erzählt, dass es ein Mädchen sein müsse, das Krabat aus der Mühle befreien kann, weiht er sie in die Geheimnisse ein und bittet sie ihn freizusprechen.
In der Neujahrsnacht kommt die Kantorka zur Mühle. Sie trägt ihre Abendmahltracht und ihr weißes Stirnband. Der Meister fragt die Kantorka, ob sie Krabat erkennen würde. Sie antwortet mit einem eindeutigen ja. Nun stellt sie der Meister vor eine schwierige Aufgabe. Die Mühlknappen müssen in die schwarze Kammer gehen und sich in einer Reihe aufstellen. Er zieht eine schwarze Binde aus der Hosentasche und bindet sie der Kantorka um die Augen. So soll sie Krabat erkennen. Mit Hilfe ihrer Liebe zu Krabat gelingt es ihr die Probe zu bestehen und den Burschen zu erkennen. Seine Angst um sie hat ihr dabei geholfen. Krabat und die anderen Mühlknappen erlangen die Freiheit und verlassen gemeinsam den dunklen Ort. Der Meister selbst muss noch in derselben Nacht sterben und die Mühle brennt in Schutt und Asche nieder.“

aus: Krabat – Die Kantorka

Edelweiß – eine einzigartige Alpenblume

Gar lieblich ist das Edelweiß!

IMG_5579

Edelweiß steht unter strengem Naturschutz und darf unter Strafe nicht gepflückt werden; aber man darf  –  fotografieren.
Obige Pflanze stammt aus einer Gärtnerei im Eisacktal.

Mit einem raffinierten Sonnenschirm schützt sich das Edelweiß vor der gefährlichen ultravioletten Höhenstrahlung. Der zarte Flaum weißer Härchen auf den Edelweißblättern absorbiert demnach die UV-Strahlung fast komplett, lässt aber anderes Licht durch, das die Pflanze zur Photosynthese benötigt. Mit einem Elektronenrastermikroskop untersuchten Wissenschaftler die Edelweiß-Härchen. Es zeigte sich, dass die einzelnen Haare aus parallelen Fasern mit nur 0,18 Mikrometern (tausendstel Millimetern) Durchmesser bestehen. Das liegt in der Größenordnung der Wellenlänge der UV-Strahlung. Damit könnten die Fasern gezielt den gefährlichen Teil der Sonnenstrahlung herausfiltern.

aus: Welt N24 – Warum das Edelweiß keinen Sonnenbrand bekommt

Bachtyar Ali – Der letzte Granatapfel

Viel ist zu diesem Buch, über dieses Buch, geschrieben worden. Und das zu Recht. Nachdem ich es gelesen hatte, meinte ich, sofort wieder von vorn, mit den ersten Seiten, anfangen zu müssen. Selten hat ein Buch bei mir so eingeschlagen, wie dieses hier. Wie schrieb Kafka? „Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns“. Ja! Wie Recht er hatte! So was von Recht!

Nach den Romanen „Eine Straße in Moskau“ von Michail Ossorgin und „Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow meinte ich, es würde wohl lange dauern, bis ich ein neues Buch wiederfinden würde, das Qualität, Wärme, Tiefgang, Aktualität und Liebe so zum Ausdruck bringt, dass es mich tief, sehr tief, berührt.

Bachtyar Ali schrieb 2002 in seiner Heimatsprache Sorani ( kurdisch) mit der Erzählung „Der letzte Granatapfel“ Weltliteratur! Der Unionsverlag ließ dieses Buch in deutsche Sprache übersetzen. Die Übersetzung aus dem Kurdischen (Sorani) wurde vom SüdKulturFonds in Zusammenarbeit mit LITPROM unterstützt.

Zum Glück! Denn es wäre uns ein unsagbarer Schatz hinter einer fremden Sprache versteckt geblieben.

granatapfel

Bildquelle: jpc

Schlicht Weltliteratur – der kurdische Bestsellerautor Bachtyar Ali schreibt einen Roman, dessen Poesie nicht politischer sein kann.
Von Claudia Kramatschek

Erneuerer der kurdischen Literatur

„[…] Manche Bücher benötigen Jahre, bis wir sie in unseren Händen halten. Einmal gelesen, fragt man sich, wie es sein konnte, dass die Welt all die Jahre ohne sie leben konnte. Bachtyar Alis Roman „Der letzte Granatapfel“ ist solch ein Roman – auch wenn der etwas altbacken anmutende Titel das nicht sogleich vermuten lässt. Doch schon mit den ersten Zeilen wird man gefangen von diesem Roman, der poetischer – und zugleich politischer nicht sein könnte. Denn Bachtyar Ali – der große Erneuerer der kurdischen Literatur – nutzt den Zauber des magischen Realismus, um über und gegen die fatale Macht der Politik zu schreiben. Alles beginnt mit einem Mann namens Muzafari Subdham. 21 Jahre war er in Gefangenschaft. […]“

IMG_3405

Tränendes Herz – Eine Pflanzenstaude, die jedes Jahr wieder neu aus der Erde treibt und blüht. Unbekannterweise dem Autor Bachtyar Ali gewidmet, der mit seinem Buch „Der letzte Granatapfel“ für mich Weltliteratur schrieb.

 

 

Rattenlinie – Buchbetrachtung

img_1913

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff

Martin von Arndt vermischt in seinem neuen Roman „Rattenlinien“, erschienen im ars vivendi verlag, 2016, anhand von Literatur-und Archivstudien, Fakten und Fiktion.

In Form eines Politthrillers zeichnet er hochspannend die heimliche Alpenüberquerung eines Nazis nach, dem, wie Tausenden von Nationalsozialisten vor über siebzig Jahren diese Flucht sogar bzw. auch mit Hilfe der Katholischen Kirche gelang.

Die von den US-amerikanischen Geheimdiensten als „Rattenlinie“ bezeichnete Fluchtroute über Südtirol nach Rom oder Genua und von dort weiter nach Argentinien, Bolivien oder Syrien gab dem Roman seinen Titel.

Verfolgt wird ein flüchtender Massenmörder von einem in die Jahre gekommenen Kommissar, dessen ehemaligem Assistenten sowie einem Special-Agent aus Amerika. Ein klirrend kalter Winter erschwert nicht nur die Flucht sondern auch die Verfolgung im Hungerwinter 1946 auf 1947.

Hilfe für NS-Täter und Verurteilte

[…] Die Bereitschaft, mit der Vergangenheit abzuschließen und den NS-Sündern zu verzeihen, war derartig großzügig, dass katholische Würdenträger hauptverantwortlichen Nationalsozialisten zur Flucht nach Südamerika verhalfen. Der bekannteste Fluchthelfer war der österreichische Bischof Alois Hudal […]. Er baute ein umfangreiches Netzwerk aus und besorgte Unterschlupf für mehrere hochrangige NS-Täter und Verbrecher des kroatischen Ustascha-Regimes. Sie flüchteten über die Alpen nach Rom, wo sie falsche Pässe bekamen, von dort, immer wieder versteckt in Klöstern, nach Genua, um mit dem Schiff nach Südamerika zu entwischen. Die Liste der Personen, die über die „Kloster- oder „Rattenlinien“ gerettet wurden, ist lang und erschreckend. Adolf Eichmann, Josef Mengele, Walter Rauff, Klaus Barbie, Erich Priebke, Erich Müller […].

Einige von ihnen wurden später aufgespürt, Eichmann 1960 in Argentinien und Barbie 1983 in Bolivien, und vor Gericht verurteilt. Insgesamt konnte rund 300 Tätern dieses Kalibers zur Flucht verholfen werden, auch durch Fluchtwege der CIA, weil man im Kalten Krieg die Expertise mancher Deutscher brauchte. […]1

Gesuchte Kriegsverbrecher reisten also mit Pässen des Roten Kreuzes aus, die zuvor von Priestern beglaubigt worden waren. Verkleidet als Mönche entkamen viele auch über eine Kette verschwiegener Klöster nach Spanien – und von Barcelona in alle Welt.

Rollentausch

Diensteifer, Hass und Löcher in den Köpfen der Nationalsozialisten waren bodenlos. Und als am Ende die Zeche fällig wird, in der Stunde des Erwachens2 hat von Arndts Antagonist Gerhard Wagner sich dazu entschieden, wie viele tausende seiner Gesinnungsgenossen übrigens auch (s.o.), seinen Opfern den Rücken zu kehren und abzudampfen.

Wagner tauscht seine Rolle des Verbrechers, des Massenmörders und Täters in die Rolle des Opfers: Wagner wird Flüchtender, ein Gejagter, ein Heimatloser, ein Kranker.

Fanatismus

Schaut man auf die inhaltliche Ausrichtung des Fanatismus, erstreckt sie sich praktisch auf alle Lebensgebiete. Sie kann uns überall dort begegnen, wo eine starke Bindung an eine Sache herrscht und hohe Begeisterung weckt. Das sind nicht nur religiöse oder politische Fanatismus-Strömungen, es gibt auch den klassischen Gerechtigkeits- oder Wahrheitsfanatismus sogar einen Ernährungs- oder Sportfanatismus.

Während auf der einen Seite des Romans fanatische Kriegsverbrecher versuchen, sich aus ihrer Verantwortung zu stehlen, nimmt auf der anderen Seite der Protagonist Kommissar Andreas Eckart Eckart unbeirrt die Nazijagd auf. Obwohl er während einer kurzen Gefangenschaft durch die Ustascha schwer misshandelt wird, spürt er trotzdem weiterhin Wagner nach. Als er sich eine frische Wunde als Erkennungszeichen3 mit einem heißen Schürhaken in den rechten Oberarm einbrennt, um „die gleiche frische Wunde, die in diesen Tagen alle SS-Männer besaßen“4 vorzeigen zu können, sollte er in die Hände CIC ( Heeresnachrichtendienst der USA) fallen, habe ich das Gefühl, dass Eckarts Gerechtigkeitssinn fanatische Züge annimmt. Doch an die vorherigen Romanseiten erinnernd, auf denen die zentrale Figur Eckart als ein ausgesprochener Menschenkenner und tragischer Berufsheld beschrieben wird, löst sich der Verdacht auch schon wieder auf.

Lyrische Naturbetrachtungen

Dieser Roman ist ein kleines Schatzkästchen für lyrische Naturbetrachtungen. Sei es die Sonne, die zu einem kleinen Klumpen Titanweiß geschmolzen ist und über der Landschaft ein Geruch von Rauch und vergorener Milch liegt. Oder der Kaffee, der nach Erbsen und Speck schmeckt. Oder die optisch-akkustische Beobachtung während eines Eisnebels. Wunderschöne Bilder!

Fazit

Mit spannenden und rasanten Verfolgungen, tragischen Verbrechen bis hin zum Mord, dialogbespickt und mit unglaublich schönen Naturbildern, ist ein absolut lesenswerter Roman entstanden. Voll mit Kritik gegen Ungerechtigkeiten in der Welt, nicht nur zur Zeit der Rattenlinien, die einen manchmal an den Rand der Verzweiflung treiben, aber dann wieder zurückholt mit Zeilen wie diesen:

[…] / Denn wenn die Nacht vergangen ist / Wirst du sehen, dass ihr Sonnenschein folgt / Ein neuer Tag wird kommen // Die Welt wird in goldener Pracht erglänzen / Bald werden wir vergessen, dass der Himmel grau war / Und wie in einem schönen Märchen / Wird ein neuer Tag kommen. (Zitat aus „Rattenlinien“)

Meine Leseempfehlung: Lesen Sie! Unbedingt!

1Zitiert aus: Olaf Blaschke „Die Kirchen und der Nationalsozialismus“, Reclam Sachbuch 2014, Seite 236-237

2Zitat aus: Boualem Sansal „Das Dorf des Deutschen“, Merlin Verlag,1991, Seite 274-275

3Wikipedia: Die Blutgruppentätowierung war ein Kennzeichen der Mitglieder der SS-Verfügungstruppe, der SS-Totenkopfverbände und später des größten Teils der Waffen-SS. Ursprünglich zur Erleichterung medizinischer Hilfe gedacht, wurde es in der Endphase des Kriegs oder nach Kriegsende eine Hilfe, wenn es darum ging, untergetauchte Angehörige der Waffen-SS – die sich oftmals als gewöhnliche Wehrmachtssoldaten ausgaben– zu identifizieren.

4Zitiert: Martin von Arndt „Rattenlinien“ ars vivendi Verlag, 2016, Seite 284

brömstrup [4]

brömstrup [4]

im vorübergehen entdeckt brömstrup eine schafherde. ungezählte wollkugeln trippeln über wachholderheiden zum stall ins tal. der alte sommer, er lodert in felsenbirnen und schwarz-weiß gescheckte rüden kläffen stakkato-artig in den aufsteigenden rauch duftender kartoffelfeuern. vor brömstrups stiefeln flunkern plötzlich silberdisteln im licht und brömstrup begreift, wenn man sieht, vorausgesetzt dass man sieht, dann sieht man weiter, weiter als das sichtbare.

jbs 2tausend16