was gestern war, was heute ist […]

Heute Abend kruschtelte ich mich durch mein Bücherregal und entdeckte dabei Lebenserinnerungen von Georg Reichert ( 1919-1997), einem fränkischen Mundartdichter. Das kleine Büchlein ist minimal größer als ein Reclamheftchen, aber sein Inhalt!
Reichert war ein Bauer der Verse schrieb.
Reichert veröffentlichte 12 „Büchla“ und erhielt 1983 für sein Engagement für die fränkische Sprache das Bundesverdienstkreuz am Bande.

1940 musste er als Soldat in den Krieg. 1941 kam er nach Rußland. Er schreibt:

[…] Dieses unwirtliche Land, die Strapazen, Entbehrungen, dazu die Grausamkeiten des Gegners und die Sorge, ihm doch nicht in die Hände zu fallen, lasteten schwer auf Herz und Gemüt. Doch als ich mit Gottes Hilfe diesen schrecklichen Krieg überstanden und mich zu Hause wieder eingelebt hatte, kehrte auch die Lust zum Reimen wieder. Es regnete, ich lag wach im Bett und hörte, wie das Wasser in die Dachrinne tropfte, und schnell entstanden die Verse:

Leise fällt der Regen nieder,
in meiner Kammer lieg ich wach,
und ich hör, wie früher wieder;
wie es tropft vom Dach.

Jahre ist es nun leergestanden
mein so trautes Kämmerlein,
während ich in fremden Landen
schlief gar oft auf hartem Stein.

Weitere Worte habe ich nicht in Erinnerung. […]

Reichert schreibt auf den weiteren Seiten viel von seinen Kriegserlebnissen, die mich als Leserin sehr nah an das Erlebte führen. Er steht der Kriegsmaschinerie sehr kritisch gegenüber und wieder zurück auf seinem Hof, durfte er nach Kriegsende doch einmal erleben, dass ein gutes Dutzend seiner kurzen Reime mit der Überschrift „Allerlei Wahrheiten über den Menschen“ ( Betrachtungen eines schlichten Zeitgenossen für besinnliche Sonntagsleser) in einem in Erlangen erschienen evangelischen Gemeindeblatt abgedruckt wurden. Und … er erhielt sogar 20 Mark dafür.
Der unten zitierte Reim stammt daraus.

***
Was gestern war, was heute ist,
schon morgen diese Welt vergisst
und fällt, wie kann’s drum anders sein
auf alte Fehler neu herein.
***

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Blätterwald im Moni Asomaton, Klosteranlage im Amaribecken, Südkreta, 2018.

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Die kursiv gehaltenen Zeilen stammen aus dem Buch:
Ein Bauer schreibt Verse – Lebenserinnerungen eines fränkischen Landmannes
Georg Reichert
TV Satzstudio GmbH, Neidhardswinden 63, 8535 Emskirchen, 1988

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watt, würmer, wonne

NDR.de „Naturschönheit hinterm Deich – Katinger Watt“

Der Beobachtungsturm im Katinger Watt darf aus Sicherheitsgründen derzeit nicht bestiegen werden. Daher wichen wir auf das Nabu-Naturzentrum Katinger Watt aus. Im und um das Lina-Hähnle-Haus erwartete uns eine zauberhafte Idylle. Hinter diesem Link kann man auf Entdeckungsreise gehen.

Und nur ein paar Schritte weiter, auf der Deichkrone stehend, konnte man unendlich weit über das Wattenmeer schauen. Wieviele Wattwürmer dort wohl täglich buddeln?

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Heinz Erhardt, mehrmals im Nabu-Zentrum zitiert, wusste auch über das Befinden von Wattwürmern zu berichten:

Wattwurms Erwachen
Mitten in der dunklen Nacht
ist der Wattwurm aufgewacht.
Das Watt lag still, er fragte sich:
„Herrjemineh, was weckte mich?
War es des Mondes trübes Licht?
Nee, das war es sicher nicht.
War es des Leuchtturmwärters Singen?
Das kann nicht bis hier draußen dringen.
War es der Deich mit seinen Schafen?
Nein, dabei kann ich prima schlafen.
War es des Austernfischers Schrei?
Quatsch, der wär´ mir einerlei.
War es der Ruf des Kabeljaus?
Nee, ich glaub, das schließ´ ich aus.
Ist eine Scholle am verrecken?
I wo, das würde mich nicht wecken.
Dann war es etwa gar der Butt?
Der macht den Schlaf mir nicht kaputt.
So keift der Aal des Nachts durch´s Watt?
Ach was, den überhör´ ich glatt.
Oder der Hummer, der oft stöhnt?
An den hab´ ich mich längst gewöhnt.
Es war nicht Dorsch, auch Flunder nicht,
Und ich bin müde im Gesicht.
Doch drunt´ im Bauch spür ich ´ne Ecke,
denn mit dem Sand fraß ich ´ne Schnecke.
Dann wird´s wohl Magengrimmen sein!“
Dacht´ sich der Wattwurm –
Und schlief ein.
Heinz Erhardt

 

Mein blaues Klavier

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(c) jbs 2tausend17

Mein blaues Klavier

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier

Und kenne doch keine Note.

Es steht im Dunkel der Kellertür,

Seitdem die Welt verrohte.

Es spielten Sternenhände vier

– Die Mondfrau sang im Boote –

Nun tanzen die Ratten im Geklirr.

Zerbrochen ist die Klaviatür …

Ich beweine die blaue Tote.

Ach liebe Engel öffnet mir

-Ich ass vom bitteren Brote-

Mir lebend schon die Himmelstür-

Auch wider dem Verbote.

 

Else Laske-Schüler
aus: Mein blaues Klavier, Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 2006, Seite 14

 

Lebensleiter

Lebensleiter

Ein Mensch gelangt, mit Müh und Not,

Vom Nichts zum ersten Stückchen Brot.

Vom Brot zur Wurst geht’s dann schon besser;

Der Mensch entwickelt sich zum Fresser

Und sitzt nun, scheinbar ohne Kummer,

Als reicher Mann bei Sekt und Hummer.

Doch sieh, zu Ende ist die Leiter:

Vom Hummer aus geht’s nicht mehr weiter.

Beim Brot, so meint er, war das Glück. –

Doch findet er nicht mehr zurück.

Eugen Roth

aus: Das Eugen Roth Buch, Seite 30, Carl Hanser Verlag 1966

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Auf dem Gipfelplateau des Schöneck im Sarntal erwarten einem über 100 sehenswerte Gestalten. Aus Steinplatten sind sie aufgetürmt die „Stoanernen Mandln“. Seit einem halben Jahrtausend stehen sie rund ums Kreuz und bewachen die „Große Reisch“. Mannshoh warten sie auf und lassen sich bewundern. Gerichtsprotokolle aus dem frühen Jahr 1540 besagen, dass zwischen den Steinfiguren Hexentänze und Teufelsfeiern veranstaltet wurden. Ob man dem Glauben schenken will, sei einem selbst überlassen. Die mystische Atmosphäre und der geheimnisvolle Zauber hier oben trägt einiges zu der fantastischen Aussicht bei.

Die Erklärung zu obiger Aufnahme führt einen in eine völlig andere Geschichte, jedoch passen die Steinernen Männchen auch ganz gut zur „Lebensleiter“.

Hans Ludwig Pfeiffer

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Die Hammelherde ( Ein jeder ein Mensch … in der Masse nur ein Teil einer Hammelherde) 1976 (1997) Hans Ludwig Pfeiffer

[…] Etwa ab 1968 begann Pfeiffer sein Alterswerk, ein völlig neuartiges Œuvre, er „fegt alles, was nach künstlerischen Denkvorschriften aussieht, beiseite“ und entwickelte ohne Rücksicht auf modische Trends einen eigenen Stil. „Er revoltiert im Sinne des Dadaismus, angeekelt von den Lügen seines Zeitalters und des ihm herum vollzogenen Lebens, die er entlarven will.“ Es entstanden Bilder, Plastiken und Objekte, zum Beispiel Die große Blabla-Maschine. Sein Hauptwerk ist das „Evolutionsdrama der Menschheit“ mit dem Titel Theatrum Mundi, „ein satirisch-düsteres Weltpanoptikum […] von neobarocker Sinnlichkeit“ […] weiterlesen hier

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Die „Große Blabla-Maschine“ von Hans Ludwig Pfeiffer ist sein Schlüsselwerk. Im Alter von 67 Jahren schuf er ein Objekt, das als Persiflage auf den Kulturbetrieb zu verstehen ist: eine „Kulturklapper“, die – bei mechanischem Betrieb – dem Publikum das Kunstblabla einhämmert. […]

entdeckt im Wasserschloss Glatt

 

Asparagus

Asparagus

Wenn im Mai bläst Pan die Flöte,
Weil es Wonnemonat ist,
Schießt der Spargel auf vom Beete,
Das gedüngt mit Pferdemist.

Morgens kommen weiße Köpfe
Aus der grauen Erd‘ heraus.
Mittags schleicht schon aus Töpfen
Wundersamer Duft ums Haus.

Ach, welch eine schöne Gabe
Hast Du, Herr, uns da bestellt!
Wenn ich einen Spargel habe,
Habe ich die ganze Welt!

Julie Schrader

Kulturplattform „Die Blaue Blume“ wird umgetopft

Nach Anklicken auf den roten Link wird man zum Videoportal „vimeo“ weitergeleitet. Ein feiner kleiner Film zum Umtopfen „Der Blauen Blume“ öffnet sich:

Film zum Umtopfen „Der Blauen Blume“ – einer Kulturplattform in Friedrichshafen

Die Aufnahmen in der Dia-Show sind aus dem wewewe kopiert.

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