Mein blaues Klavier

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Mein blaues Klavier

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier

Und kenne doch keine Note.

Es steht im Dunkel der Kellertür,

Seitdem die Welt verrohte.

Es spielten Sternenhände vier

– Die Mondfrau sang im Boote –

Nun tanzen die Ratten im Geklirr.

Zerbrochen ist die Klaviatür …

Ich beweine die blaue Tote.

Ach liebe Engel öffnet mir

-Ich ass vom bitteren Brote-

Mir lebend schon die Himmelstür-

Auch wider dem Verbote.

 

Else Laske-Schüler
aus: Mein blaues Klavier, Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 2006, Seite 14

 

Lebensleiter

Lebensleiter

Ein Mensch gelangt, mit Müh und Not,

Vom Nichts zum ersten Stückchen Brot.

Vom Brot zur Wurst geht’s dann schon besser;

Der Mensch entwickelt sich zum Fresser

Und sitzt nun, scheinbar ohne Kummer,

Als reicher Mann bei Sekt und Hummer.

Doch sieh, zu Ende ist die Leiter:

Vom Hummer aus geht’s nicht mehr weiter.

Beim Brot, so meint er, war das Glück. –

Doch findet er nicht mehr zurück.

Eugen Roth

aus: Das Eugen Roth Buch, Seite 30, Carl Hanser Verlag 1966

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Auf dem Gipfelplateau des Schöneck im Sarntal erwarten einem über 100 sehenswerte Gestalten. Aus Steinplatten sind sie aufgetürmt die „Stoanernen Mandln“. Seit einem halben Jahrtausend stehen sie rund ums Kreuz und bewachen die „Große Reisch“. Mannshoh warten sie auf und lassen sich bewundern. Gerichtsprotokolle aus dem frühen Jahr 1540 besagen, dass zwischen den Steinfiguren Hexentänze und Teufelsfeiern veranstaltet wurden. Ob man dem Glauben schenken will, sei einem selbst überlassen. Die mystische Atmosphäre und der geheimnisvolle Zauber hier oben trägt einiges zu der fantastischen Aussicht bei.

Die Erklärung zu obiger Aufnahme führt einen in eine völlig andere Geschichte, jedoch passen die Steinernen Männchen auch ganz gut zur „Lebensleiter“.

Hans Ludwig Pfeiffer

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Die Hammelherde ( Ein jeder ein Mensch … in der Masse nur ein Teil einer Hammelherde) 1976 (1997) Hans Ludwig Pfeiffer

[…] Etwa ab 1968 begann Pfeiffer sein Alterswerk, ein völlig neuartiges Œuvre, er „fegt alles, was nach künstlerischen Denkvorschriften aussieht, beiseite“ und entwickelte ohne Rücksicht auf modische Trends einen eigenen Stil. „Er revoltiert im Sinne des Dadaismus, angeekelt von den Lügen seines Zeitalters und des ihm herum vollzogenen Lebens, die er entlarven will.“ Es entstanden Bilder, Plastiken und Objekte, zum Beispiel Die große Blabla-Maschine. Sein Hauptwerk ist das „Evolutionsdrama der Menschheit“ mit dem Titel Theatrum Mundi, „ein satirisch-düsteres Weltpanoptikum […] von neobarocker Sinnlichkeit“ […] weiterlesen hier

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Die „Große Blabla-Maschine“ von Hans Ludwig Pfeiffer ist sein Schlüsselwerk. Im Alter von 67 Jahren schuf er ein Objekt, das als Persiflage auf den Kulturbetrieb zu verstehen ist: eine „Kulturklapper“, die – bei mechanischem Betrieb – dem Publikum das Kunstblabla einhämmert. […]

entdeckt im Wasserschloss Glatt

 

Asparagus

Asparagus

Wenn im Mai bläst Pan die Flöte,
Weil es Wonnemonat ist,
Schießt der Spargel auf vom Beete,
Das gedüngt mit Pferdemist.

Morgens kommen weiße Köpfe
Aus der grauen Erd‘ heraus.
Mittags schleicht schon aus Töpfen
Wundersamer Duft ums Haus.

Ach, welch eine schöne Gabe
Hast Du, Herr, uns da bestellt!
Wenn ich einen Spargel habe,
Habe ich die ganze Welt!

Julie Schrader

Kulturplattform „Die Blaue Blume“ wird umgetopft

Nach Anklicken auf den roten Link wird man zum Videoportal „vimeo“ weitergeleitet. Ein feiner kleiner Film zum Umtopfen „Der Blauen Blume“ öffnet sich:

Film zum Umtopfen „Der Blauen Blume“ – einer Kulturplattform in Friedrichshafen

Die Aufnahmen in der Dia-Show sind aus dem wewewe kopiert.

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Bachtyar Ali – Der letzte Granatapfel

Viel ist zu diesem Buch, über dieses Buch, geschrieben worden. Und das zu Recht. Nachdem ich es gelesen hatte, meinte ich, sofort wieder von vorn, mit den ersten Seiten, anfangen zu müssen. Selten hat ein Buch bei mir so eingeschlagen, wie dieses hier. Wie schrieb Kafka? „Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns“. Ja! Wie Recht er hatte! So was von Recht!

Nach den Romanen „Eine Straße in Moskau“ von Michail Ossorgin und „Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow meinte ich, es würde wohl lange dauern, bis ich ein neues Buch wiederfinden würde, das Qualität, Wärme, Tiefgang, Aktualität und Liebe so zum Ausdruck bringt, dass es mich tief, sehr tief, berührt.

Bachtyar Ali schrieb 2002 in seiner Heimatsprache Sorani ( kurdisch) mit der Erzählung „Der letzte Granatapfel“ Weltliteratur! Der Unionsverlag ließ dieses Buch in deutsche Sprache übersetzen. Die Übersetzung aus dem Kurdischen (Sorani) wurde vom SüdKulturFonds in Zusammenarbeit mit LITPROM unterstützt.

Zum Glück! Denn es wäre uns ein unsagbarer Schatz hinter einer fremden Sprache versteckt geblieben.

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Bildquelle: jpc

Schlicht Weltliteratur – der kurdische Bestsellerautor Bachtyar Ali schreibt einen Roman, dessen Poesie nicht politischer sein kann.
Von Claudia Kramatschek

Erneuerer der kurdischen Literatur

„[…] Manche Bücher benötigen Jahre, bis wir sie in unseren Händen halten. Einmal gelesen, fragt man sich, wie es sein konnte, dass die Welt all die Jahre ohne sie leben konnte. Bachtyar Alis Roman „Der letzte Granatapfel“ ist solch ein Roman – auch wenn der etwas altbacken anmutende Titel das nicht sogleich vermuten lässt. Doch schon mit den ersten Zeilen wird man gefangen von diesem Roman, der poetischer – und zugleich politischer nicht sein könnte. Denn Bachtyar Ali – der große Erneuerer der kurdischen Literatur – nutzt den Zauber des magischen Realismus, um über und gegen die fatale Macht der Politik zu schreiben. Alles beginnt mit einem Mann namens Muzafari Subdham. 21 Jahre war er in Gefangenschaft. […]“

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Tränendes Herz – Eine Pflanzenstaude, die jedes Jahr wieder neu aus der Erde treibt und blüht. Unbekannterweise dem Autor Bachtyar Ali gewidmet, der mit seinem Buch „Der letzte Granatapfel“ für mich Weltliteratur schrieb.