Herbst auf der ganzen Linie – Erich Kästner

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Herbst auf der ganzen Linie
von Erich Kästner, 1931

Nun gibt der Herbst dem Wind die Sporen.
Die bunten Laubgardinen wehn.
Die Straßen ähneln Korridoren,
In denen Türen offen stehn.

Das Jahr vergeht in Monatsraten.
Es ist schon wieder fast vorbei.
Und was man tut, sind selten Taten.
Das, was man tut, ist Tuerei.

Es ist, als ob die Sonne scheine,
Sie lässt uns kalt. Sie scheint zum Schein.
Man nimmt den Magen an die Leine.
Er knurrt und will gefüttert sein.

Das Laub verschießt, wird immer gelber,
Nimmt Abschied vom Geäst und sinkt.
Die Erde dreht sich um sich selber.
Man merkt es deutlich, wenn man trinkt.

Wird man denn wirklich nur geboren,
Um, wie die Jahre, zu vergehn?
Die Straßen ähneln Korridoren,
In denen Türen offen stehn.

Die Stunden machen ihre Runde.
Wir folgen ihnen Schritt für Schritt
Und gehen langsam vor die Hunde.
Man führt uns hin! Wir laufen mit.

Man grüßt die Welt mit kalten Mienen.
Das Lächeln ist nicht ernst gemeint.
Es wehen bunte Laubgardinen.
Nun regnet’s gar. Der Himmel weint.

Man ist allein und wird es bleiben.
Ruth ist verreist, und der Verkehr
Beschränkt sich bloß aufs Briefeschreiben.
Die Liebe ist schon lange her!

Das Spiel ist ganz und gar verloren.
Und dennoch wird es weitergehn.
Die Straßen ähneln Korridoren,
In denen Türen offen stehn …

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watt, würmer, wonne

NDR.de „Naturschönheit hinterm Deich – Katinger Watt“

Der Beobachtungsturm im Katinger Watt darf aus Sicherheitsgründen derzeit nicht bestiegen werden. Daher wichen wir auf das Nabu-Naturzentrum Katinger Watt aus. Im und um das Lina-Hähnle-Haus erwartete uns eine zauberhafte Idylle. Hinter diesem Link kann man auf Entdeckungsreise gehen.

Und nur ein paar Schritte weiter, auf der Deichkrone stehend, konnte man unendlich weit über das Wattenmeer schauen. Wieviele Wattwürmer dort wohl täglich buddeln?

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Heinz Erhardt, mehrmals im Nabu-Zentrum zitiert, wusste auch über das Befinden von Wattwürmern zu berichten:

Wattwurms Erwachen
Mitten in der dunklen Nacht
ist der Wattwurm aufgewacht.
Das Watt lag still, er fragte sich:
„Herrjemineh, was weckte mich?
War es des Mondes trübes Licht?
Nee, das war es sicher nicht.
War es des Leuchtturmwärters Singen?
Das kann nicht bis hier draußen dringen.
War es der Deich mit seinen Schafen?
Nein, dabei kann ich prima schlafen.
War es des Austernfischers Schrei?
Quatsch, der wär´ mir einerlei.
War es der Ruf des Kabeljaus?
Nee, ich glaub, das schließ´ ich aus.
Ist eine Scholle am verrecken?
I wo, das würde mich nicht wecken.
Dann war es etwa gar der Butt?
Der macht den Schlaf mir nicht kaputt.
So keift der Aal des Nachts durch´s Watt?
Ach was, den überhör´ ich glatt.
Oder der Hummer, der oft stöhnt?
An den hab´ ich mich längst gewöhnt.
Es war nicht Dorsch, auch Flunder nicht,
Und ich bin müde im Gesicht.
Doch drunt´ im Bauch spür ich ´ne Ecke,
denn mit dem Sand fraß ich ´ne Schnecke.
Dann wird´s wohl Magengrimmen sein!“
Dacht´ sich der Wattwurm –
Und schlief ein.
Heinz Erhardt

 

Bücher//Bücher

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Wenn der Alltag nicht durch Erwerb ausgefüllt ist, dann genieße ich derzeit lesen-lesen-lesen.
Und weil ich mich hier endlich mal wieder melden möchte, zitiere ich Zeilen von Mascha Kalekó. Die passen irgendwie.
Ansprache eines Bücherwurms
Der Kakerlak nährt sich vom Mist,
Die Motte frißt gern Tücher,
Ja selbst der Wurm ist, was er ißt.
Und ich — ich fresse Bücher.

Ob Prosa oder Poesie,
Ob Mord- ob Heldentaten-
Ich schmause und genieße sie
Wie einen Gänsebraten.

Ich bin ein sehr belesener Herr,
Nicht wie die anderen Viecher!
Daß Bücher bilden, wißt auch ihr,
Und ich— ich fresse Bücher.

Die Nahrung, sie behagt mir wohl,
Verleiht mir Grips und Stärke.
Was andern Wurst mit Sauerkohl,
Das sind mir Goethes Werke.

Ich fraß mich durch die Literatur
So mancher Bibliotheken;
Doch war‘n das meiste, glaubt es nur,
Bloß elende Scharteken.

Das Bücherfressen macht gescheit.
So denken sich`s die Schlauen.
Doch wer zuviel frißt, hat nicht Zeit,
Es richtig zu verdauen.

Drum lest mit Maß, doch lest genug,
Dann wird`s euch wohl ergehen.
Bloß Bücher fressen macht nicht klug!
Man muß sie auch verstehen.

Mascha Kalekó

smile

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Smile, though your heart is aching
Smile, even though it’s breaking
When there are clouds in the sky
you’ll get by
If you smile through your fear and sorrow
Smile and maybe tomorrow
You’ll see the sun come shining through
for you

Light up your face with gladness
Hide every trace of sadness
Although a tear may be ever so near
That’s the time you must keep on trying
Smile what’s the use of crying
You’ll find that life is still worthwhile
If you’ll just
Smile

Text-und Filmquelle

Die weltbeste Geschichte vom Fallen – Daniel Faßbender

Die weltbeste Geschichte vom Fallen von Daniel Faßbender
Roman
Es bleibt die weltbeste Geschichte vom Fallen.
Mir gefällt das Buch ungemein gut. Daniel Faßbender erzählt die Geschichte eines jungen Erwachsenen, der auf der Suche nach Wurzeln, Zugehörigkeit, Ankommen und Verantwortung ist und diese bei der Ausübung des Extremsports „Roofing“ finden will.
Erfrischend lässt Faßbender den dicken Karlsson vom Dach dabei wieder aufleben – auch dies gefällt mir ungemein, denn den moppeligen, selbstsüchtigen Fleischklößchenesser mag ich bis heute immer noch sehr. Und in diesem Buch kann man endlich mehr erfahren, was aus dem Zimtweckenfreund geworden ist.
Im Vordergrund steht allerdings eine besondere Beziehung zu einer Frau und der immer wiederkehrende Drang (seine Sucht), über die Dächer der Stadt Stockholm und sogar Wladiwostoks zu roofen.
Und was für ein gelungenes Ende!
Ja, es bleibt dabei: Es ist die weltbeste Geschichte vom Fallen!
Filmtrailer auf youtube:
 
Zitat Klappentext: […] Auf der Suche nach Weite und Freiheit verbringt ein junger Roofer einen großen Teil seiner Zeit auf den Dächern von Stockholm. Er klettert auf Türme und Brückenpylone und erkennt erst, als er zu fallen droht, dass diese Suche auch eine Flucht vor seinen Problemen und das Wesentliche in seinem Leben etwas ganz anderes ist.
Glänzend geschrieben und extrem spannend.
Mirabilis Verlag
ISBN 978-3-9818484-6-5

[…] Mein Fräulein! sein Sie munter […]

Am 27. August 2009 veröffentlichte ich meinen ersten Haiku auf Twoday , einem Plattformanbieter aus Österreich. Ende diesen Monats wird Twoday seine Dienste einstellen und somit verschwindet ein interessantes Medium aus dem wewewe. Schade!
Da ich mit der PC-Software nicht richtig vertraut bin, werden all meine Beiträge, Bilder, Buchbesprechungen, Gedanken …, die ich auf lou-salome veröffentlicht hatte, für immer verschwinden. Ich habe von meinen Eigentexten wohl Kopien gemacht, allerdings unformatiert. Vielleicht schaffe ich es irgendwann einmal zeitlich, diese hier einzupflegen. Vielleicht. —

Heinrich Heine stellte so schön fest:

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

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(c) jbs 2tausend18 Südküste Kreta bei Trio Petra

Und das habe ich mit diesem Blog ja schon geschafft. Es geht weiter!

 

Gedanken unter den Wolken – Philippe Jaccottet

Flicken aber kann man, vielleicht, tagtäglich
das zerrissene Netz, Masche für Masche,
und im Raum dort oben wär es,
als vernähte man, Stern um Stern, diese Nacht …

aus: Philippe Jaccottet, Gedanken unter den Wolken, Gedichte, Wallstein Verlag 2018,
S. 49

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