Die Leere

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Der Zenmeister Sekkyo fragte seinen Mönch: „Kannst Du die Leere fassen?“
Der Mönch bildete mit seinen Händen ein leeres Gefäß.
„Du hast ja gar nichts drin“, sagte Sekkyo unzufrieden.
„Zeig mir einen besseren Weg“, forderte der Mönch den Meister auf. Da packte Sekkyo die Nase des anderen und zog kräftig daran.
„Au“, rief der Mönch. „Du tust mir weh!“
„Das“, sagte Sekkyo, “ ist der Weg, die Leere zu fassen.“

aus: Namiko und das Flüstern von Andreas Séché – Ars Vivendi Verlag, S.16 -17

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Die steinernen Jungfrauen

Heute mache ich es mir einfach und kopiere einen Text der Sage zu den Steinernen Jungfrauen im Eselsburger Tal.
[wikipedia]:

Eine Sage erklärt die Entstehung der „Steinernen Jungfrauen“ und die Entstehung der Ruine der Eselsburg folgendermaßen: „Auf der Eselsburg über dem Tal soll einmal ein Burgfräulein gelebt haben, dem alle Freier nicht gut genug waren. Das Burgfräulein wurde älter und die Freier blieben aus. Daraufhin hasste sie alle Männer. Ihr Hass ging so weit, dass sie ihren beiden Mägden den Umgang mit Männern verbot. Als diese jedoch einmal mit einem jungen Fischer auf den Eisteich hinausfuhren, sollen sie von der bösen Jungfer in die zwei ‚Steinernen Jungfrauen‘ verwandelt worden sein. Am selben Abend soll ein Blitz in die Eselsburg eingeschlagen haben. In dem von ihm entfachten Feuer sei die Jungfer verbrannt.“
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Bodensee / Rainer Maria Rilke

Bodensee

Die Dörfer sind wie ein Garten.
In Türmen von seltsamen Arten
klingen die Glocken wie weh.
Uferschlösser warten
und schauen durch schwarze Scharten
müd auf den Mittagsee.

Und schwellende Wellchen spielen,
und goldene Dampfer kielen
leise den lichten Lauf;
und hinter den Uferzielen
tauchen die vielen, vielen
Silberberge auf.

Rainer Maria Rilke

aus:

Rilkes Landschaft, In Bildern von Regina Richter, insel taschenbuch 588, 1981, Seite 14

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SEOLER STRASSENBILD

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SEOULER STRASSENBILD

Alle menschen, schien’s, sind
auf dem weg, sind
jung und
auf dem weg, sind
schlank und
auf dem weg

Das handy am ohr, schienen sie einander zu beteuern,
daß der eine für den andern wie geschaffen ist,
doch auf dem weg
in die entgegengesetzte richtung

Reiner Kunze geb. 16.08.1933

Cocoxochitl

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[…] Interessanter und genauer sind die Abbildungen von Francisco Hernandez, einem spanischen Arzt, der sich von 1570 bis 1577 in Mexiko aufhielt und die Pflanzenwelt aus heilpflanzlicher Sicht erforschte. Seine Aufzeichnungen wurden erst 1651 in Mexiko veröffentlicht, er erlebte dies nicht mehr. In diesen Aufzeichnungen werden auch die ursprünglichen Namen der Dahlie in Mexiko genannt: „Acocotli“, übersetzt als „Wasserschlund“ und „Cocoxochitl“ oder „Acocoxochitl'“, was übersetzt „Wasser-Knollen-Blüte“ heißt. Eine seiner Abbildungen zeigt eindeutig halbgefüllte Dahlienblüten. Dies lässt den Schluss zu, dass es in Mexiko schon vor über 500 Jahren Dahlien-Hybriden, Vorfahren unserer Gartendahlien, gab. Die Naturarten hatten sich offensichtlich gegenseitig bestäubt und ihre Nachkommen zeigten schon ganz unterschiedliche Blütenformen.
[…]