… eigenartige eigene Art.

„Eigenartig
wie das Wort eigenartig
es fast als fremdartig hinstellt
eine eigene Art zu haben“
Erich Fried

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Amüsement

Auf dem heutigen Kalenderblatt im Haus las ich folgende Redewendung:
Ich hab so einen Hunger, dass ich vor Durst gar nicht weiß, was ich rauchen soll, so müde bin ich.
Ich stell mir allerdings vor, dass der lachende Ire ganz genau weiß, was er will.

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Die Tulpe

Dunkel
war alles und Nacht.
In der Erde tief
die Zwiebel schlief,
die braune.

Was ist das für ein Gemunkel,
was ist das für ein Geraune,
dachte die Zwiebel,
plötzlich erwacht.

Was singen die Vögel da droben
und jauchzen und toben?
Von Neugier gepackt,
hat die Zwiebel einen langen Hals gemacht
und um sich geblickt
mit einem hübschen Tulpengesicht.

Da hat ihr der Frühling entgegengelacht.
(Josef Guggenmos)

a drunk man looks at the thistle

Hugh MacDiarmid: „A Drunk man looks at the thistle“

Symbol mit Stacheln
Ausgerechnet eine stachelige Distel ist Nationalsymbol, sie ziert sowohl das Rugby-Team als auch die Polizeitruppen. Der Legende nach soll im 13. Jahrhundert eine Gruppe schlafender schottischer Krieger einen nächtlichen Überfall nur abgewehrt haben, nachdem einer der anschleichenden Wikinger mit seinen nackten Füßen in ein Distelgestrüpp trat und rumjammerte. Deshalb heißt der älteste und höchste schottische Ritterorden auch Distelorden. Auch eines der berühmtesten schottischen Gedichte zur Lage der Nation von 1926 hat zum Ruhm der kratzigen Blume beigetragen. Hugh MacDiarmid nannte es „A Drunk Man Looks at the Thistle“ – „Ein betrunkener Mann betrachtet die Distel“.

Zitat aus: welt.de

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… siebenmal gedacht …

Alles Gescheite mag schon
siebenmal gedacht worden sein.
Aber wenn es wieder gedacht wurde,
in anderer Zeit und Lage,
war es nicht mehr dasselbe.

Ernst Bloch

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Die Tarnkappe von Markus Orths

Lieber Herr O.,

seit dem Tag in Klagenfurt, an dem Sie Ihre Erzählung vom Zimmermädchen der interessierten Welt vorlasen, hatte ich Interesse, mehr von dem Autor aus Karlsruhe zu erfahren.
„Die Tarnkappe“ hatten Sie kurze Zeit später über den Schöffling & Co. – Verlag veröffentlichen können und ich gehörte zu den Leserinnen, die Ihr Buch im Ruckzuckschnelldurchleseverfahren verschlang. Es ging übrigens auch nicht anders.
Hatte es doch Ähnlichkeiten mit der Tarnkappe. Je weiter man las, desto schwieriger wurde es, aufzuhören und das Buch zur Seite zu legen. Und die Tarnkappe bekam Simon Bloch, der Protagonsist des Romans – des Schauerromans, mit der Zeit ja auch nicht mehr vom Kopf. Je öfters er sie aufsetzte. Sie fraß sich mit der Zeit regelrecht in ihn hinein.
Vor meiner Nase roch es doch tatsächlich angebrannt, und auf meinem! Kopf juckte es plötzlich immer häufiger. Wie beim Bloch!

Und heute, sieben Jahre nach dem Erstlesen, stellte ich Ihr Buch in meinem Literaturkreis vor. Und ich kann Ihnen mitteilen, jeder von den Teilnehmer*innen hatte das Buch genauso verschlungen!

Wir stellten fest, dass Simon und Gregor sich in ihrer Jugend eine Schuld aufgeladen hatten, die so schwer wog, dass ihr Leben danach nicht mehr in normalen Bahnen weiter verlaufen konnte. Man konnte „sich nicht mehr sehen“ und ging deshalb eigene Wege. Der eine, Simon Bloch, wurde anfangs zum öden Mittelmäßigen, der andere, Gregor, wurde ein „Raffzahn“. Und als dieser Gregor dem Simon Bloch, dem Freund aus früheren Jugendtagen, ein Danaergeschenk machte und zwar in Form einer Tarnkappe, die den Träger unsichtbar machen konnte, ja, lieber Herr O., da nimmt Ihre Geschichte so richtig Fahrt auf!
Bloch wird ein Spion mithilfe der Tarnkappe, unter dessen Schutz er sich Freiheiten, Frechheiten und krimineller Energien in fremden Wohnungen und öffentlichen Parks herausnimmt. Er erweist sich zunehmend als kein unschuldiger Beobachter mehr, sondern als das verkappte Böse.
Anfangs erinnert Ihr Buch an den Schriftsteller Wilhelm Genazino. Der seine tragischen Helden leise auftreten lässt.

Dann aber spitzen sich Ihre Kapitel zu einem Schauerroman, einem spannendem Krimi zu, Bram Stoker und E.T.A. Hoffmann lassen grüßen, und unbedingt spürt man Kafka’s Gregor Samsa auf vielen Seiten. Das Ende nach dieser großartigen Geschichte finde ich allerdings nicht so gelungen. Zu sehr konstruiert.
Viele der Literatur-am-Abend-Teilnehmer fanden den Schluss jedoch passend. O.k..

Ob ich Ihr Buch auch ein drittes Mal lesen würde? Auch wenn der Schluss mir nicht gefällt?
Ja!
Unbedingt!
Und danach nochmals wieder!
Es grüßt Sie sehr herzlich aus der Remstal-Provinz →

Ihre jbs

2tausend19