[…] Mein Fräulein! sein Sie munter […]

Am 27. August 2009 veröffentlichte ich meinen ersten Haiku auf Twoday , einem Plattformanbieter aus Österreich. Ende diesen Monats wird Twoday seine Dienste einstellen und somit verschwindet ein interessantes Medium aus dem wewewe. Schade!
Da ich mit der PC-Software nicht richtig vertraut bin, werden all meine Beiträge, Bilder, Buchbesprechungen, Gedanken …, die ich auf lou-salome veröffentlicht hatte, für immer verschwinden. Ich habe von meinen Eigentexten wohl Kopien gemacht, allerdings unformatiert. Vielleicht schaffe ich es irgendwann einmal zeitlich, diese hier einzupflegen. Vielleicht. —

Heinrich Heine stellte so schön fest:

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

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(c) jbs 2tausend18 Südküste Kreta bei Trio Petra

Und das habe ich mit diesem Blog ja schon geschafft. Es geht weiter!

 

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Gedanken unter den Wolken – Philippe Jaccottet

Flicken aber kann man, vielleicht, tagtäglich
das zerrissene Netz, Masche für Masche,
und im Raum dort oben wär es,
als vernähte man, Stern um Stern, diese Nacht …

aus: Philippe Jaccottet, Gedanken unter den Wolken, Gedichte, Wallstein Verlag 2018,
S. 49

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in a snailery//

Ein Teleskopfühler auf Wanderschaft.

Die Fühler [ der Schnecke ] sind so ausdrucksvoll wie die Ohren eines Maultiers, sie vermitteln den Eindruck gleichgültigen Vergnügens, wenn sie herunterhängen, und enormer Wachsamkeit, wenn sie aufgerichtet sind, wie es der Fall, wenn die Schnecke auf Wanderschaft ist.
Ernest Ingersoll, In a Snailery ( Im Schneckengarten), 1881
aus: Das Geräusch einer Schnecke beim Essen – Elisabeth Tova Bailey

Die Leere

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Der Zenmeister Sekkyo fragte seinen Mönch: „Kannst Du die Leere fassen?“
Der Mönch bildete mit seinen Händen ein leeres Gefäß.
„Du hast ja gar nichts drin“, sagte Sekkyo unzufrieden.
„Zeig mir einen besseren Weg“, forderte der Mönch den Meister auf. Da packte Sekkyo die Nase des anderen und zog kräftig daran.
„Au“, rief der Mönch. „Du tust mir weh!“
„Das“, sagte Sekkyo, “ ist der Weg, die Leere zu fassen.“

aus: Namiko und das Flüstern von Andreas Séché – Ars Vivendi Verlag, S.16 -17

Die steinernen Jungfrauen

Heute mache ich es mir einfach und kopiere einen Text der Sage zu den Steinernen Jungfrauen im Eselsburger Tal.
[wikipedia]:

Eine Sage erklärt die Entstehung der „Steinernen Jungfrauen“ und die Entstehung der Ruine der Eselsburg folgendermaßen: „Auf der Eselsburg über dem Tal soll einmal ein Burgfräulein gelebt haben, dem alle Freier nicht gut genug waren. Das Burgfräulein wurde älter und die Freier blieben aus. Daraufhin hasste sie alle Männer. Ihr Hass ging so weit, dass sie ihren beiden Mägden den Umgang mit Männern verbot. Als diese jedoch einmal mit einem jungen Fischer auf den Eisteich hinausfuhren, sollen sie von der bösen Jungfer in die zwei ‚Steinernen Jungfrauen‘ verwandelt worden sein. Am selben Abend soll ein Blitz in die Eselsburg eingeschlagen haben. In dem von ihm entfachten Feuer sei die Jungfer verbrannt.“
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Bodensee / Rainer Maria Rilke

Bodensee

Die Dörfer sind wie ein Garten.
In Türmen von seltsamen Arten
klingen die Glocken wie weh.
Uferschlösser warten
und schauen durch schwarze Scharten
müd auf den Mittagsee.

Und schwellende Wellchen spielen,
und goldene Dampfer kielen
leise den lichten Lauf;
und hinter den Uferzielen
tauchen die vielen, vielen
Silberberge auf.

Rainer Maria Rilke

aus:

Rilkes Landschaft, In Bildern von Regina Richter, insel taschenbuch 588, 1981, Seite 14

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