straßenpoesie …

Heute Vormittag las ich:

„Wenn du mehr hast als du brauchst, bau einen längeren Tisch und nicht einen höheren Zaun!“

 

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a drunk man looks at the thistle

Hugh MacDiarmid: „A Drunk man looks at the thistle“

Symbol mit Stacheln
Ausgerechnet eine stachelige Distel ist Nationalsymbol, sie ziert sowohl das Rugby-Team als auch die Polizeitruppen. Der Legende nach soll im 13. Jahrhundert eine Gruppe schlafender schottischer Krieger einen nächtlichen Überfall nur abgewehrt haben, nachdem einer der anschleichenden Wikinger mit seinen nackten Füßen in ein Distelgestrüpp trat und rumjammerte. Deshalb heißt der älteste und höchste schottische Ritterorden auch Distelorden. Auch eines der berühmtesten schottischen Gedichte zur Lage der Nation von 1926 hat zum Ruhm der kratzigen Blume beigetragen. Hugh MacDiarmid nannte es „A Drunk Man Looks at the Thistle“ – „Ein betrunkener Mann betrachtet die Distel“.

Zitat aus: welt.de

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… siebenmal gedacht …

Alles Gescheite mag schon
siebenmal gedacht worden sein.
Aber wenn es wieder gedacht wurde,
in anderer Zeit und Lage,
war es nicht mehr dasselbe.

Ernst Bloch

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Die Tarnkappe von Markus Orths

Lieber Herr O.,

seit dem Tag in Klagenfurt, an dem Sie Ihre Erzählung vom Zimmermädchen der interessierten Welt vorlasen, hatte ich Interesse, mehr von dem Autor aus Karlsruhe zu erfahren.
„Die Tarnkappe“ hatten Sie kurze Zeit später über den Schöffling & Co. – Verlag veröffentlichen können und ich gehörte zu den Leserinnen, die Ihr Buch im Ruckzuckschnelldurchleseverfahren verschlang. Es ging übrigens auch nicht anders.
Hatte es doch Ähnlichkeiten mit der Tarnkappe. Je weiter man las, desto schwieriger wurde es, aufzuhören und das Buch zur Seite zu legen. Und die Tarnkappe bekam Simon Bloch, der Protagonsist des Romans – des Schauerromans, mit der Zeit ja auch nicht mehr vom Kopf. Je öfters er sie aufsetzte. Sie fraß sich mit der Zeit regelrecht in ihn hinein.
Vor meiner Nase roch es doch tatsächlich angebrannt, und auf meinem! Kopf juckte es plötzlich immer häufiger. Wie beim Bloch!

Und heute, sieben Jahre nach dem Erstlesen, stellte ich Ihr Buch in meinem Literaturkreis vor. Und ich kann Ihnen mitteilen, jeder von den Teilnehmer*innen hatte das Buch genauso verschlungen!

Wir stellten fest, dass Simon und Gregor sich in ihrer Jugend eine Schuld aufgeladen hatten, die so schwer wog, dass ihr Leben danach nicht mehr in normalen Bahnen weiter verlaufen konnte. Man konnte „sich nicht mehr sehen“ und ging deshalb eigene Wege. Der eine, Simon Bloch, wurde anfangs zum öden Mittelmäßigen, der andere, Gregor, wurde ein „Raffzahn“. Und als dieser Gregor dem Simon Bloch, dem Freund aus früheren Jugendtagen, ein Danaergeschenk machte und zwar in Form einer Tarnkappe, die den Träger unsichtbar machen konnte, ja, lieber Herr O., da nimmt Ihre Geschichte so richtig Fahrt auf!
Bloch wird ein Spion mithilfe der Tarnkappe, unter dessen Schutz er sich Freiheiten, Frechheiten und krimineller Energien in fremden Wohnungen und öffentlichen Parks herausnimmt. Er erweist sich zunehmend als kein unschuldiger Beobachter mehr, sondern als das verkappte Böse.
Anfangs erinnert Ihr Buch an den Schriftsteller Wilhelm Genazino. Der seine tragischen Helden leise auftreten lässt.

Dann aber spitzen sich Ihre Kapitel zu einem Schauerroman, einem spannendem Krimi zu, Bram Stoker und E.T.A. Hoffmann lassen grüßen, und unbedingt spürt man Kafka’s Gregor Samsa auf vielen Seiten. Das Ende nach dieser großartigen Geschichte finde ich allerdings nicht so gelungen. Zu sehr konstruiert.
Viele der Literatur-am-Abend-Teilnehmer fanden den Schluss jedoch passend. O.k..

Ob ich Ihr Buch auch ein drittes Mal lesen würde? Auch wenn der Schluss mir nicht gefällt?
Ja!
Unbedingt!
Und danach nochmals wieder!
Es grüßt Sie sehr herzlich aus der Remstal-Provinz →

Ihre jbs

2tausend19


Traumfänger bei Tag und Nacht

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Komosbeach Südkreta 2013 – Blick über die Bucht von Matala gen Agia Galini

Ich besitze keinen Traumfänger. Aber mir gefällt die Vorstellung, das durch die Löcher des Netzes gute Träume entschlüpfen, währenddessen sich die schlechten Träume im Netz verheddern.
Und bei seinem Gedicht Trottoircafé bei Nacht hat Kästner sich weg geträumt.
Da bleibt mir bei dem heutigen „Dauerniesel-grauindunkelgrau“ auch nur noch das „verreisen“.

Trottoircafé bei Nacht

Hinter sieben Palmenbesen,

die der Wirt im Ausverkauf erstand,

sitzt man und kann seine Zeitung lesen,

und die Kellner lehnen an der Wand.

***

An den Garderobenständern

schaukeln Hüte, und der Abendwind

möchte sie in Obst verändern.

Aber Hüte bleiben, was sie sind.

***

Sterne machen Lichtreklame.

Leider weiß man nicht genau für wen.

Und die Nacht ist keine feine Dame,

sondern lässt uns ihr Gewölbe sehn.

***

In der renommierten Küche

brät der dicke Koch Filet und Fisch.

Und er liefert sämtliche Gerüche

seiner Küche gratis an den Tisch.

***

Wenn man jetzt in einer Wiese

läge, und ein Reh trät aus dem Wald,

seine erste Frage wäre diese:

Kästner, pst! Wie hoch ist ihr Gehalt?“

***

Also bleibt man traurig hocken

und hält Palmen quasi für Natur.

Fliegen setzen sich auf süße Brocken.

Und der Mond ist nur die Rathausuhr.

***

Sieben Palmen wedeln mit den Fächern,

denn auch ihnen wird es langsam heiß.

Und die Nacht sitzt dampfend auf den Dächern.

Und ein Gast bestellt Vanille-Eis.

***
Erich Kästner

ein wenig mehr – ein bißchen mehr …

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jbs … … beim Krabbenpulen in Büsum 2018. Bei allerbesten Freunden. Sonnenstimmung 🙂

Steht tatsächlich schon wieder ein Jahreswechsel vor der Tür?
Ja!
Und ich, ich wünsche mir: Ein bißchen mehr…

Ein bißchen mehr Friede
und weniger Streit,
ein bißchen mehr Güte
und weniger Neid,
ein bißchen mehr Liebe
und weniger Haß,
ein bißchen mehr Wahrheit,
das wär doch schon was.

Statt soviel Hast
ein bißchen mehr Ruh’.
Statt immer nur ich
ein bißchen mehr Du!
Statt Angst und Hemmungen
ein bißchen mehr Mut
und Kraft zum Handeln,
das wäre gut.

Kein Trübsinn und Dunkel,
mehr Freude und Licht.
Kein quälend Verlangen,
ein froher Verzicht
und viel mehr Blumen
so lange es geht,
nicht erst auf Gräbern,
da blühn sie zu spät!
Peter Rosegger

post zum advent – italien

la befana

italien

… in der nacht vom 5. auf 6. januar schwingt sich „la befana“, der weibliche weihnachtsmann, auf einen besen, zwängt sich durch den kamin und füllt die strümpfe artiger kinder mit geschenken – für plagegeister gibt’s nur ein stück kohle ( früher echt, heute als süßigkeit ) … und grund für die alljährliche mühe: die befana, eine mischung aus hexe und fee, war an jenem tag als sich auch die hl. drei könige auf die suche nach dem jesuskind begaben, ein wenig spät dran … und dann war er weg – der stern, der den weg gezeigt und ihr neben den hl. drei königen einen wohlverdienten platz in der weihnachtsgeschichte gesichert hätte … seitdem irrt die verwirrte, alte dame hilflos durch die welt und hofft immer noch das christkind zu finden … am 24. dezember findet eine art familien-lotto statt, wo jeder die nummer seines geschenkes aus einem säckchen zieht – beliebtes geschenk ist rote unterwäsche, die am neujahrstag getragen wird – soll der liebe im neuen jahr glück bringen …

zitiert aus der raumgestalt adventspost