Mein blaues Klavier

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(c) jbs 2tausend17

Mein blaues Klavier

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier

Und kenne doch keine Note.

Es steht im Dunkel der Kellertür,

Seitdem die Welt verrohte.

Es spielten Sternenhände vier

– Die Mondfrau sang im Boote –

Nun tanzen die Ratten im Geklirr.

Zerbrochen ist die Klaviatür …

Ich beweine die blaue Tote.

Ach liebe Engel öffnet mir

-Ich ass vom bitteren Brote-

Mir lebend schon die Himmelstür-

Auch wider dem Verbote.

 

Else Laske-Schüler
aus: Mein blaues Klavier, Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 2006, Seite 14

 

[magistrale]

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(c) jbs 2tausend17

magistrale
hinter den stationen
alte bilder von dünen
und deichen
unvermittelt
bleibt man
dort hinter
den kargen hügeln
allein
beharrlicher abschied
flüchtige ankunft
und immer wieder
kehrt man zurück
zu den fußnoten
der fata morgana
dort pinseln gaukler
bilder auf pfützen
narren führen
hinter das licht
ungeachtet jedoch
passiert ein lichtstrahl
das ziel
hinter den gleisen
ruht der mistral
tritt ein
in das gezirpe der zikaden
in das kecke blau
des himmels
während die ähren
am anderen ende
brennen

jbs2tausend17

Ausgang – Theodor Fontane

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(c) Hans Ludwig Pfeiffer – Das Versinken im Alter – 1974

Ausgang

Theodor Fontane

Immer enger, leise, leise
Ziehen sich die Lebenskreise,
Schwindet hin, was prahlt und prunkt,
Schwindet Hoffen, Hassen, Lieben,
Und ist nichts in Sicht geblieben
Als der letzte dunkle Punkt.

Flaneur von Franz Hodjak

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Flaneur

Schon wenn du um die nächste Ecke
biegst, bist du ein anderer, eine Art
Deserteur aus einem Gleichgewicht, das

es noch zuvor gab. Der Himmel ist
anders eingegrenzt, die Demonstranten
wirken entschlossener, obwohl das Ziel

genau so vag ist wie in der Straße, aus
der du gerade abgebogen bist. Die Madonna
spricht spanisch, und eine Dohle setzt sich

auf einen verlorenen Damenschuh, als wollte
sie ein Stück Einsamkeit abwenden. Die Musen
sind mit Bombenanschlägen beschäftigt. Das

Haarstudio heißt Salon für Haararchitektur.
Begnadete Reporter fragen, ob jemand eine
Reise in die Welt Wassili Kandinskys gewinnen

möchte, außer einem Schwulen will das
niemand. Die Erhabenheit wedelt sich Genialität
zu, mit chinesischem Fächer, ein Sinnbild

des freien Marktes. Nach jeder Ecke
sind es stets andere Leben, in die du
eintrittst und die nicht dir gehören, sondern

den Gegenständen, Ereignissen, Vorgängen,
deren Anblick dich verwandelt.

aus: Franz Hodjak

[ Sonnenverschlupfer ]

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(c) jbs 2tausend17 „Ein Sonnenverschlupfer“

Heinrich Heine

Das Fräulein stand am Meere

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! Sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

(1844)

Lebensleiter

Lebensleiter

Ein Mensch gelangt, mit Müh und Not,

Vom Nichts zum ersten Stückchen Brot.

Vom Brot zur Wurst geht’s dann schon besser;

Der Mensch entwickelt sich zum Fresser

Und sitzt nun, scheinbar ohne Kummer,

Als reicher Mann bei Sekt und Hummer.

Doch sieh, zu Ende ist die Leiter:

Vom Hummer aus geht’s nicht mehr weiter.

Beim Brot, so meint er, war das Glück. –

Doch findet er nicht mehr zurück.

Eugen Roth

aus: Das Eugen Roth Buch, Seite 30, Carl Hanser Verlag 1966

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Auf dem Gipfelplateau des Schöneck im Sarntal erwarten einem über 100 sehenswerte Gestalten. Aus Steinplatten sind sie aufgetürmt die „Stoanernen Mandln“. Seit einem halben Jahrtausend stehen sie rund ums Kreuz und bewachen die „Große Reisch“. Mannshoh warten sie auf und lassen sich bewundern. Gerichtsprotokolle aus dem frühen Jahr 1540 besagen, dass zwischen den Steinfiguren Hexentänze und Teufelsfeiern veranstaltet wurden. Ob man dem Glauben schenken will, sei einem selbst überlassen. Die mystische Atmosphäre und der geheimnisvolle Zauber hier oben trägt einiges zu der fantastischen Aussicht bei.

Die Erklärung zu obiger Aufnahme führt einen in eine völlig andere Geschichte, jedoch passen die Steinernen Männchen auch ganz gut zur „Lebensleiter“.