brömstrup [10]

nur licht.

im übermaß.

eine türkisblaue brandung ist baiserverziert und liefert brömstrup täglich ein großleinwandaquarell.
gen land stolpert brömstrup über steine! steine, steine, steine! billiarden steine. felsen. schluchten. felsbuchten. statt getreide auf den feldern: steine! faustgroß. steinumschlossene hochtäler. brömstrup lässt seinen blick weiter schweifen und wandert durch silbrige olivenbaumplantagen. er bestaunt knorrig verdrehte stämme. in einer länglichen stammhöhle schmiegt ein alter faltiger schäfer seinen rücken in das innenleben des noch älteren. er verwächst mit dem stamm. jetzt! bewegt der alte seine augenlider? brömstrup ist sich nicht sicher. hat er baumbart auf kriti wieder gefunden?
in klippennähe ausgetrocknete riesenfenchelhalme. sie rasseln mit ihren samen. das gefällt nicht nur dem scirocco. darüber immer wieder aufsteigende turmfalken. lautlos lassen sie sich über klippen tragen. ein schwarzkehlchen beobachtet von hoher dornenbuschspitze aufmerksam die gegend und irgendwo aus der ferne, hört brömstrup glocken. leises gebimmel. dort wird wieder eine schafherde unterwegs sein, stellt er fest, auf der suche nach nahrung. brömstrup wundert sich immer wieder, wie die unzähligen wolllieferanten satt werden können. karge böden, auf denen fast nur steine wachsen! und nachwuchs haben die vierbeiner im gepäck. sozusagen.
schafdialoge im freilufttheater: lämmchen ruft in zarten doch ängstlichen höchsten tönen ununterbrochen nach seiner mutter. und aus einer ganz entfernten ecke, hinter geländewellen und felsen blökt es in abständen zurück. und wenn sie sich wieder gefunden haben, dann wird erst einmal milch geliefert, bevor sich die vierbeiner erneut auf strecke machen.
brömstrup wird müde vom schauen und gehen. und er setzt sich. schmiegt sich an einen alten verknorrten baumstamm. zwei oliven fallen in seinen schoss. die eine ist grün, die andere blauschwarz. und schon fegt scirocco heran. fächelt heißen wüstenwind um brömstrups stirn. brömstrup schließt seine augen und kriecht im schatten tausender silberblätter in sich selbst hinein. 

jbs 2tausend19

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Imbrosschlucht – Steintor 2019

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Steine – Steine. 2019

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Südkreta – 2019

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Baiserwoge – Trio Petra – Kreta 2019

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Riesenfenchel 2019

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Riesenfenchel 2019

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Nach ewig langem Geblöke hatte das Lämmchen endlich seine Mutter wieder gefunden. Kreta 2019

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Olivenbaum am Kedros – Kreta 2019

brömstrup [9]

brömstrup [9]
vor zwei uhr mittags im september stiefelt brömstrup durch den wald gen imker in den nachbarort. die luft ist ruhig. und brömstrup ohne hut. weit voraus schweift sein auge, erhascht ab und zu den wächter des waldes. blau schillern dessen federchen am flügelbug. kein zweifel. es ist der gescheite waldvogel, der ihn beobachtet, begleitet. es ist der hervorragende imitator verschiedenster vogelstimmen. ein eichelhäher. immer wieder kreuzt er brömstrups weg. brömstrup blinzelt. sonnenstaub kitzelt seine nase, während sein blick gen laubdach steigt. und dabei entdeckt er erstaunlich schönes. über und übervoll hängt es von den baumkronen. blattgold. in hülle und fülle. herbst steigt über die zäune und golden schimmert die ferne.
jbs 2tausend19

… siebenmal gedacht …

Alles Gescheite mag schon
siebenmal gedacht worden sein.
Aber wenn es wieder gedacht wurde,
in anderer Zeit und Lage,
war es nicht mehr dasselbe.

Ernst Bloch

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Die Tarnkappe von Markus Orths

Lieber Herr O.,

seit dem Tag in Klagenfurt, an dem Sie Ihre Erzählung vom Zimmermädchen der interessierten Welt vorlasen, hatte ich Interesse, mehr von dem Autor aus Karlsruhe zu erfahren.
„Die Tarnkappe“ hatten Sie kurze Zeit später über den Schöffling & Co. – Verlag veröffentlichen können und ich gehörte zu den Leserinnen, die Ihr Buch im Ruckzuckschnelldurchleseverfahren verschlang. Es ging übrigens auch nicht anders.
Hatte es doch Ähnlichkeiten mit der Tarnkappe. Je weiter man las, desto schwieriger wurde es, aufzuhören und das Buch zur Seite zu legen. Und die Tarnkappe bekam Simon Bloch, der Protagonsist des Romans – des Schauerromans, mit der Zeit ja auch nicht mehr vom Kopf. Je öfters er sie aufsetzte. Sie fraß sich mit der Zeit regelrecht in ihn hinein.
Vor meiner Nase roch es doch tatsächlich angebrannt, und auf meinem! Kopf juckte es plötzlich immer häufiger. Wie beim Bloch!

Und heute, sieben Jahre nach dem Erstlesen, stellte ich Ihr Buch in meinem Literaturkreis vor. Und ich kann Ihnen mitteilen, jeder von den Teilnehmer*innen hatte das Buch genauso verschlungen!

Wir stellten fest, dass Simon und Gregor sich in ihrer Jugend eine Schuld aufgeladen hatten, die so schwer wog, dass ihr Leben danach nicht mehr in normalen Bahnen weiter verlaufen konnte. Man konnte „sich nicht mehr sehen“ und ging deshalb eigene Wege. Der eine, Simon Bloch, wurde anfangs zum öden Mittelmäßigen, der andere, Gregor, wurde ein „Raffzahn“. Und als dieser Gregor dem Simon Bloch, dem Freund aus früheren Jugendtagen, ein Danaergeschenk machte und zwar in Form einer Tarnkappe, die den Träger unsichtbar machen konnte, ja, lieber Herr O., da nimmt Ihre Geschichte so richtig Fahrt auf!
Bloch wird ein Spion mithilfe der Tarnkappe, unter dessen Schutz er sich Freiheiten, Frechheiten und krimineller Energien in fremden Wohnungen und öffentlichen Parks herausnimmt. Er erweist sich zunehmend als kein unschuldiger Beobachter mehr, sondern als das verkappte Böse.
Anfangs erinnert Ihr Buch an den Schriftsteller Wilhelm Genazino. Der seine tragischen Helden leise auftreten lässt.

Dann aber spitzen sich Ihre Kapitel zu einem Schauerroman, einem spannendem Krimi zu, Bram Stoker und E.T.A. Hoffmann lassen grüßen, und unbedingt spürt man Kafka’s Gregor Samsa auf vielen Seiten. Das Ende nach dieser großartigen Geschichte finde ich allerdings nicht so gelungen. Zu sehr konstruiert.
Viele der Literatur-am-Abend-Teilnehmer fanden den Schluss jedoch passend. O.k..

Ob ich Ihr Buch auch ein drittes Mal lesen würde? Auch wenn der Schluss mir nicht gefällt?
Ja!
Unbedingt!
Und danach nochmals wieder!
Es grüßt Sie sehr herzlich aus der Remstal-Provinz →

Ihre jbs

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