haiku [ 158 ]







brömstrup und klostermann hatten sich aus den augen verloren. war das auch ein wunder? die luft war rauh wie eine bürste und die hausdächer des winzigen weilers duckten sich tief unter ihre traufen. schmiegten sich an benachbarte ställe, aus denen heller atem stieg.
der eine ging richtung winterstille weiter, über vergessene felder, auf denen verhutzelte kohlköpfe, bemützt in reih und glied standen. klostermann suchte das zurück zum ausgangspunkt. und der andere, brömstrup, der klopfte an eine uralte eichentür. geheimnisvolle zinken erweckten sein interesse. war schon vor ihm jemand am haus gewesen? brömstrup schaute sich um. rechts. links. hinter sich. auch um ihn herum – winterstille. der horizont hatte klostermann verschluckt. genau in dem moment öffnete sich das haus. zwei augen, vielleicht genauso alt wie die eichenbohlen, schauten brömstrup direkt ins gesicht. hinter der greisin, aus der warmen stube heraus und hinein in die fahle landschaft, gellte ein wasserkessel. die alte winkte und neugierig auf neues stieg brömstrup über die türschwelle.

rauch über dem dach
in der stube am kamin
singt ein samovar

jbs 2021

brömstrup [10]

nur licht.

im übermaß.

eine türkisblaue brandung ist baiserverziert und liefert brömstrup täglich ein großleinwandaquarell.
gen land stolpert brömstrup über steine! steine, steine, steine! billiarden steine. felsen. schluchten. felsbuchten. statt getreide auf den feldern: steine! faustgroß. steinumschlossene hochtäler. brömstrup lässt seinen blick weiter schweifen und wandert durch silbrige olivenbaumplantagen. er bestaunt knorrig verdrehte stämme. in einer länglichen stammhöhle schmiegt ein alter faltiger schäfer seinen rücken in das innenleben des noch älteren. er verwächst mit dem stamm. jetzt! bewegt der alte seine augenlider? brömstrup ist sich nicht sicher. hat er baumbart auf kriti wieder gefunden?
in klippennähe ausgetrocknete riesenfenchelhalme. sie rasseln mit ihren samen. das gefällt nicht nur dem scirocco. darüber immer wieder aufsteigende turmfalken. lautlos lassen sie sich über klippen tragen. ein schwarzkehlchen beobachtet von hoher dornenbuschspitze aufmerksam die gegend und irgendwo aus der ferne, hört brömstrup glocken. leises gebimmel. dort wird wieder eine schafherde unterwegs sein, stellt er fest, auf der suche nach nahrung. brömstrup wundert sich immer wieder, wie die unzähligen wolllieferanten satt werden können. karge böden, auf denen fast nur steine wachsen! und nachwuchs haben die vierbeiner im gepäck. sozusagen.
schafdialoge im freilufttheater: lämmchen ruft in zarten doch ängstlichen höchsten tönen ununterbrochen nach seiner mutter. und aus einer ganz entfernten ecke, hinter geländewellen und felsen blökt es in abständen zurück. und wenn sie sich wieder gefunden haben, dann wird erst einmal milch geliefert, bevor sich die vierbeiner erneut auf strecke machen.
brömstrup wird müde vom schauen und gehen. und er setzt sich. schmiegt sich an einen alten verknorrten baumstamm. zwei oliven fallen in seinen schoss. die eine ist grün, die andere blauschwarz. und schon fegt scirocco heran. fächelt heißen wüstenwind um brömstrups stirn. brömstrup schließt seine augen und kriecht im schatten tausender silberblätter in sich selbst hinein. 

jbs 2tausend19

DSCF7519

Imbrosschlucht – Steintor 2019

DSCF7450

Steine – Steine. 2019

DSCF7399

Südkreta – 2019

DSCF6500

Baiserwoge – Trio Petra – Kreta 2019

DSCF6440

Riesenfenchel 2019

DSCF6460

Riesenfenchel 2019

DSCF6447

Nach ewig langem Geblöke hatte das Lämmchen endlich seine Mutter wieder gefunden. Kreta 2019

DSCF7571

Olivenbaum am Kedros – Kreta 2019

brömstrup [9]

brömstrup [9]
vor zwei uhr mittags im september stiefelt brömstrup durch den wald gen imker in den nachbarort. die luft ist ruhig. und brömstrup ohne hut. weit voraus schweift sein auge, erhascht ab und zu den wächter des waldes. blau schillern dessen federchen am flügelbug. kein zweifel. es ist der gescheite waldvogel, der ihn beobachtet, begleitet. es ist der hervorragende imitator verschiedenster vogelstimmen. ein eichelhäher. immer wieder kreuzt er brömstrups weg. brömstrup blinzelt. sonnenstaub kitzelt seine nase, während sein blick gen laubdach steigt. und dabei entdeckt er erstaunlich schönes. über und übervoll hängt es von den baumkronen. blattgold. in hülle und fülle. herbst steigt über die zäune und golden schimmert die ferne.
jbs 2tausend19

… siebenmal gedacht …

Alles Gescheite mag schon
siebenmal gedacht worden sein.
Aber wenn es wieder gedacht wurde,
in anderer Zeit und Lage,
war es nicht mehr dasselbe.

Ernst Bloch

img_7861