ausdemküchenfensterbeobachtungen

Handnah saß dieser Sperber vor dem Küchenfenster auf einem Ast und vertilgte einen kleineren Vogel. Von seiner Beute blieben nur ein wenig Flaum und das Schnäbelchen übrig; später fand ich die Reste unter dem Baum. Der Jäger fraß, putzte nach dem Mahl seinen scharfen blutigen Schnabel ausführlich an einem Ast und hockte eine ganze Weile regungslos auf seinem Platz. Er tat „unschuldig“. Wartete. Verdaute. Man sah ihm die Verdauung regelrecht an. Dann! Er hob sein Hinterteil, um … naja, um sich zu entleeren, Richtung Nachbargarten.
Geräuschlos sein Abflug.
Kaum war er weg, flogen die ersten kleinen Pieper wie Zeisig, Meise, Kleiber, Finken und Co. wieder an das Futterhäuschen, um sich mit Körnern die Bäuche zu füllen.
#Nahrungskette

Jan Wagner – achtzehn pasteten – 9(empanada)

aus: „Geh aus, mein Herz“ Gedichte über Fernweh und Reiselust
Diogenes Verlag, 2019, Seite 33

Jan Wagner
achtzehn pasteten
9 (empanada)

es war nicht afrika, es war ein fels
im wasser, wie sie sagte. allenfalls.
im rückspiegel weiße dörfer, träge
wie gletscher – und der himmel leicht, als trage
er sich von ganz allein. im rückspiegel die sierra
mit ihren gipfeln, eine sure
von korkeichen darunter. wie ihr haar
im fahrtwind tobte. und voraus das meer,
der strand, den es bejaht, verneint.
es war kein fels, es war ein kontinent.

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jbs 2tausend19

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jbs 2tausend19