haiku 107

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(c) jbs 2tausend16 – Unteruhldingen . Bodenseee

haiku 107

winterlicht am see

hinter dem grenzwall aus holz

ziehen singschwäne

© jbs

haiku 107-a

winterlicht am see

hinter dem grenzwall aus holz

singende schwäne

© jbs

Der Unwissende

Wer auf einen Hügel steigt, um reinere Gedanken zu haben, läuft Gefahr, dass er, je länger er dort verweilt, nur Leere findet; mag sein, er wendet sich sogar, wenn er es zuletzt leid wird, gegen die Reinheit. Dann wäre es schon besser, sich unten im Gelände zu verirren.

Textstelle aus: Philippe Jaccottet – Der Unwissende
S. 82 – Hanser Verlag

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Hannah Arendt – „Wir Flüchtlinge“

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Die Frankfurter Rundschau veröffentlichte gestern einen kurzen Artikel, in dem Hannah Arendts Gedanken zum „fremd sein“ skizziert werden.

„Hannah Arendt zu lesen, macht es leichter, die Gegenwart zu verstehen.“

Ich zitiere den Verfasser des o.a. Artikels Prof. Dr. Dirk Pilz :

Hannah Arendt schreibt 1943 für die jüdische amerikanische Zeitschrift „Menorah Journal“ den Text „Wir Flüchtlinge“. Das ist sein Anfang: „Vor allem mögen wir es nicht, wenn man uns ‚Flüchtlinge‘ nennt. Wir selbst bezeichnen uns als ‚Neuankömmlinge‘ oder ‚Einwanderer‘.“

Später im Text dann: „Wenn wir gerettet werden, fühlen wir uns gedemütigt, und wenn man uns hilft, fühlen wir uns erniedrigt.“ Und: „Nur sehr wenige Individuen bringen die Kraft auf, ihre eigene Integrität zu wahren, wenn ihr sozialer, politischer und juristischer Status völlig verworren ist.“ Deshalb hätten sich viele dazu entschieden, einen „Identitätswechsel“ zu versuchen, doch dieses „kuriose Verhalten“ mache die Sache noch viel schlimmer.

Arendt schreibt das mit Blick auf eine jüdische Assimilierungsmentalität, die verhindere, sich als NS-Verfolgte und als Juden zu bekennen. Ihr Punkt ist dabei, dass sich zu einem Anderen nur verhalten kann, wer sein Eigenes nicht leugnet. Integration gibt es nicht in der Anpassung, sondern in der Spannung zwischen Ferne und Nähe. Das macht Arendts Text politisch brisant bis heute.