Erich Fried – Meer

Meer

Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren

und den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes
einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen

Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nicht mehr wollen wollen
nur Meer

Erich Fried 1921 – 1988

Puten im Rampenlicht

Das war eine ganz besondere Begegnung! Die zwei Puten stolzierten in aller Ruhe über eine Straße in der Nähe des Kaps von Trio Petra, pickten hier, tranken dort, um dann endlich nach der Überquerung des Asphalts auf ein Mäuerchen zu fliegen. Im Federrücken die warme Wand einer kleiner Kapelle. Nachts, auf der Rückfahrt, saßen die zwei immer noch auf der Mauer und wenn man sie nicht schon am späten Nachmittag gesehen hätte, die Phantasie wäre mit mir durchgegangen.

brömstrup [10]

nur licht.

im übermaß.

eine türkisblaue brandung ist baiserverziert und liefert brömstrup täglich ein großleinwandaquarell.
gen land stolpert brömstrup über steine! steine, steine, steine! billiarden steine. felsen. schluchten. felsbuchten. statt getreide auf den feldern: steine! faustgroß. steinumschlossene hochtäler. brömstrup lässt seinen blick weiter schweifen und wandert durch silbrige olivenbaumplantagen. er bestaunt knorrig verdrehte stämme. in einer länglichen stammhöhle schmiegt ein alter faltiger schäfer seinen rücken in das innenleben des noch älteren. er verwächst mit dem stamm. jetzt! bewegt der alte seine augenlider? brömstrup ist sich nicht sicher. hat er baumbart auf kriti wieder gefunden?
in klippennähe ausgetrocknete riesenfenchelhalme. sie rasseln mit ihren samen. das gefällt nicht nur dem scirocco. darüber immer wieder aufsteigende turmfalken. lautlos lassen sie sich über klippen tragen. ein schwarzkehlchen beobachtet von hoher dornenbuschspitze aufmerksam die gegend und irgendwo aus der ferne, hört brömstrup glocken. leises gebimmel. dort wird wieder eine schafherde unterwegs sein, stellt er fest, auf der suche nach nahrung. brömstrup wundert sich immer wieder, wie die unzähligen wolllieferanten satt werden können. karge böden, auf denen fast nur steine wachsen! und nachwuchs haben die vierbeiner im gepäck. sozusagen.
schafdialoge im freilufttheater: lämmchen ruft in zarten doch ängstlichen höchsten tönen ununterbrochen nach seiner mutter. und aus einer ganz entfernten ecke, hinter geländewellen und felsen blökt es in abständen zurück. und wenn sie sich wieder gefunden haben, dann wird erst einmal milch geliefert, bevor sich die vierbeiner erneut auf strecke machen.
brömstrup wird müde vom schauen und gehen. und er setzt sich. schmiegt sich an einen alten verknorrten baumstamm. zwei oliven fallen in seinen schoss. die eine ist grün, die andere blauschwarz. und schon fegt scirocco heran. fächelt heißen wüstenwind um brömstrups stirn. brömstrup schließt seine augen und kriecht im schatten tausender silberblätter in sich selbst hinein. 

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Imbrosschlucht – Steintor 2019

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Steine – Steine. 2019

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Südkreta – 2019

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Baiserwoge – Trio Petra – Kreta 2019

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Riesenfenchel 2019

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Riesenfenchel 2019

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Nach ewig langem Geblöke hatte das Lämmchen endlich seine Mutter wieder gefunden. Kreta 2019

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Olivenbaum am Kedros – Kreta 2019

Traumfänger bei Tag und Nacht

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Komosbeach Südkreta 2013 – Blick über die Bucht von Matala gen Agia Galini

Ich besitze keinen Traumfänger. Aber mir gefällt die Vorstellung, das durch die Löcher des Netzes gute Träume entschlüpfen, währenddessen sich die schlechten Träume im Netz verheddern.
Und bei seinem Gedicht Trottoircafé bei Nacht hat Kästner sich weg geträumt.
Da bleibt mir bei dem heutigen „Dauerniesel-grauindunkelgrau“ auch nur noch das „verreisen“.

Trottoircafé bei Nacht

Hinter sieben Palmenbesen,

die der Wirt im Ausverkauf erstand,

sitzt man und kann seine Zeitung lesen,

und die Kellner lehnen an der Wand.

***

An den Garderobenständern

schaukeln Hüte, und der Abendwind

möchte sie in Obst verändern.

Aber Hüte bleiben, was sie sind.

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Sterne machen Lichtreklame.

Leider weiß man nicht genau für wen.

Und die Nacht ist keine feine Dame,

sondern lässt uns ihr Gewölbe sehn.

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In der renommierten Küche

brät der dicke Koch Filet und Fisch.

Und er liefert sämtliche Gerüche

seiner Küche gratis an den Tisch.

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Wenn man jetzt in einer Wiese

läge, und ein Reh trät aus dem Wald,

seine erste Frage wäre diese:

Kästner, pst! Wie hoch ist ihr Gehalt?“

***

Also bleibt man traurig hocken

und hält Palmen quasi für Natur.

Fliegen setzen sich auf süße Brocken.

Und der Mond ist nur die Rathausuhr.

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Sieben Palmen wedeln mit den Fächern,

denn auch ihnen wird es langsam heiß.

Und die Nacht sitzt dampfend auf den Dächern.

Und ein Gast bestellt Vanille-Eis.

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Erich Kästner

zettel(s) träume

Ruinenort. Eine Klosteranlage im Verfall. Zettel(s) – Träume lieferten mir allerdings Hinweise auf erst kürzlich gemachten Künstlerbesuch. Kreatives Leben in unbewohnten Funktionsräumen des Klosters „Moni Asomaton“ inmitten des Amaribeckens in Südkreta.

In der Antike war die Funktion der Schrift ein elitäres Privileg. Die Schriftbeherrschung ist bis heute zu einer unabdingbaren Voraussetzung der Teilnahme am modernen Leben geworden.

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jbs 2tausend18 Moni Asomaton. Kreta.