Herbst im Fluss

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Der Strom trug das ins Wasser gestreute
Laub der Bäume fort. –
Ich dachte an alte Leute,
Die auswandern ohne ein Klagewort.

Die Blätter treiben und trudeln,
Gewendet von Winden und Strudeln
( … )

Herbst im Fluss

Joachim Ringelnatz

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Herbst auf der ganzen Linie – Erich Kästner

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Herbst auf der ganzen Linie
von Erich Kästner, 1931

Nun gibt der Herbst dem Wind die Sporen.
Die bunten Laubgardinen wehn.
Die Straßen ähneln Korridoren,
In denen Türen offen stehn.

Das Jahr vergeht in Monatsraten.
Es ist schon wieder fast vorbei.
Und was man tut, sind selten Taten.
Das, was man tut, ist Tuerei.

Es ist, als ob die Sonne scheine,
Sie lässt uns kalt. Sie scheint zum Schein.
Man nimmt den Magen an die Leine.
Er knurrt und will gefüttert sein.

Das Laub verschießt, wird immer gelber,
Nimmt Abschied vom Geäst und sinkt.
Die Erde dreht sich um sich selber.
Man merkt es deutlich, wenn man trinkt.

Wird man denn wirklich nur geboren,
Um, wie die Jahre, zu vergehn?
Die Straßen ähneln Korridoren,
In denen Türen offen stehn.

Die Stunden machen ihre Runde.
Wir folgen ihnen Schritt für Schritt
Und gehen langsam vor die Hunde.
Man führt uns hin! Wir laufen mit.

Man grüßt die Welt mit kalten Mienen.
Das Lächeln ist nicht ernst gemeint.
Es wehen bunte Laubgardinen.
Nun regnet’s gar. Der Himmel weint.

Man ist allein und wird es bleiben.
Ruth ist verreist, und der Verkehr
Beschränkt sich bloß aufs Briefeschreiben.
Die Liebe ist schon lange her!

Das Spiel ist ganz und gar verloren.
Und dennoch wird es weitergehn.
Die Straßen ähneln Korridoren,
In denen Türen offen stehn …

haiku 117

vier mönche im fall
versuchen den übergang
feucht-fröhliche nacht
(c) jbs 2tausend17

haiku 116

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(c) jbs 2tausend17 fotografie/unplugged

haiku 116
kaltzeit im geäst
unter dicker borkenschicht
zuckerfestauflauf
(c) jbs 2tausend17
Winterspaziergang. Nordwinter. 
Und kaum Leben im Unterwegs. Und dann dieser eine Baum. Das Geäst mit Schnee bedeckt. Vögel und Fellohren kauern in mit Mulm gefüllten Baumhöhlen. Lauschen auf das Klopfen und Schaben tausender Sechsfüßer. Unter der Baumrinde, gleich unter ihrer dicken Borke neben einer wunden Stelle – vielleicht ist diese durch Wildverbiss entstanden – weilen sie. Gefräßige Insekten im Zuckersaftrausch.
Aufrufung zum Zuckerfest.