Eine 1/4 Million Märzenbecher und 2 Vorwitzchen

Ein Blütenmeer im Eselsburger Tal. Leucojum vernum, die Frühlingsknotenblume, besser bekannt als Märzenbecher. Und auf der anderen Talseite, auf dem Buigen, unterhalb der Keltenschanze, recken Vorwitzchen oder besser bekannt als Leberblümchen, ihre Nasen Richtung Brenz und Biberkolonie.

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Siebzehnjährige Zikade – Oder „Weltlied“ von Leopold Federmair

Von Zikaden

28. August. Seit jenem Freitag geht mir das Zikadenbild nicht mehr aus dem Kopf. Ein Zepter liegt auf einer Bank. Vor der Bank im Erdreich zwei Löcher aus denen Zikaden krabbeln, um im Baum hinter, über der Bank ein Weltlied zu singen. Sieben Tage lang. Und es ist ihnen gleich, ob sie von Mensch oder Tier verstanden werden oder auch nicht. Siehe: Weltlied von Leopold Federmair

Kurzinformationen zum Autor

Einerseits könnte diese Skizze die Wiedergabe eines genauen Naturbeobachters sein. Daraufhin weist die die explizite Beschreibung der Erdlöcher: daumennagelgroß und die Tiefe sei nicht mehr als eine Daumenlänge unter der Erde. Sodann der enorme Geräuschpegel des Zikadengesangs im Baum über dem Kopf des Autors. Und es scheint den Insekten gleich zu sein, ob sie verstanden werden oder nicht, sie singen unbeirrt, was das Zeug hält. Ein Weltlied. Immerhin haben sie nicht viel Zeit. Laut Autor sieben Tage.

Andererseits wäre es möglich, dass die sieben Tage Gesang für die Entstehung der Welt gesehen werden könnten. Das Zepter, ein Teil von Krönungsinsignien, liegt ruhend auf einer Bank: lt. Schöpfungsgeschichte vollendete Gott am siebenten Tag das Werk, das er geschaffen hatte, und an diesem Tag ruhte er (2,2); am Anfang schuf Gott Himmel und Erde ( Himmel = Baum; Erde = Erdreich unter dem Baum).

Federmairs flüchtig entworfene Zeichnung lässt sich auch als Parabel verstehen. Nach Jahren der Stille kriechen in biblischen Ausmaße Unruhestifter ans Tageslicht und verkünden, wenn auch unverstanden, ihr ureigenstes Weltlied – Weltbild.

Im Tierreich werden lt. Knaurs Insektenbuch 1968 von Walter Forster, Seite 66, über 5000 Zikadenarten beschrieben. Wobei eine Mehrzahl noch unbekannt sein dürfte. Beeindruckend ist besonders die Siebzehnjährige Zikade Nordamerikas. Je nach klimatischen Verhältnissen schlüpfen alle dreizehn bis siebzehn Jahre aus den Larven Zikaden, die, seither unterirdisch lebend, die Erdoberfläche erklimmen, Bäume erklettern, um sich dort fortzupflanzen. Der Kreis schließt sich, indem sie Eier legen, aus denen Larven schlüpfen, die wiederum auf die Erde fallen, sich vergraben und die nächsten drei – bis siebzehn Jahre unterirdisch hausen ( Dreizehn und siebzehn sind Primzahlen; Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass in diesen Jahren Prädatoren geburtenschwache Jahre aufweisen und somit hat der Zikadennachwuchs weniger Feinde während ihrer kurzen Lebens-und Fortpflanzungsdauer).

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