allium

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(c) jbs 2tausend18

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brömstrup [8]

schüsse am morgen

herbe klanginstallation

ein kaninchen schmort

brömstrup [6]

so klingt also die absolute stille.
die übrigens so still ist, das die stille die stille verschluckt.

sie rinnt wie durch einen trichter hindurch in eine nächste stille.
zu jeder tageszeit gibt es eine bestimmte art von stille. in der frühen morgenfrühe schläft tatsächlich alles noch. auch die natur. brömstrup kann direkt in sie hineinhören, regelrecht hineinschlupfen, er hört nichts. absolut nichts.

und dann? – ein schuss!

ist der laut seiner phantasie entsprungen?

nein.

denn noch ein knall teilt seinen morgenbiskuit in zwei hälften.

dann ist wieder stille.

beim frühstück.

der schuss, so stellt es sich später heraus, wurde von einem schäfer aus einer schrotflinte abgegeben. kaninchen. für den topf. überall bieten tavernas in der gegend „kaninchen. geschmort“ an. und eigens geschossene kaninchen steuern zum mageren monatsverdienst ein paar euro dazu.
die stille bricht auseinander wie ein kanten brot, wenn zum beispiel wind aufkommt.

erst vernimmt brömstrup ein zischeln, ein kurzes fauchen. wirklich nur kurz.

ankündigung für etwas größeres. das merkt er gleich. aber er realisiert es nicht sofort. erst beim nächsten, längeren schnauben, als servietten und zettelträume vom tisch fliegen und brömstrups badelatschen vom balkon in den garten segeln, erst dann nimmt er ihn ernst. den wind. und dann ist der auch schon richtig angekommen. braust um gemäuer, verfängt sich in balkongitter, saust durch offene treppenaufgänge, pfeift brömstrup regelrecht um die ohren.

nun ist es aus mit der stille.

denkt brömstrup.

doch so plötzlich wie er kam, legt sich der wind schon wieder zur ruhe.

hörst du die stille?

laut. los. weg!

doch pfeifendeckel!

diesmal kündigt er sich nicht mit einem zischeln an. er brüllt gleich um alle ecken, fuhrwerkt durch bougainvillearanken, lässt blütenblätter hoch in den himmel fahren, um dann selbst, aus einiger entfernung zuzusehen, wie ein rosa-lila, regelrechter ozean herabschwebt und den boden bedeckt, den er minuten später auf seine art und weise erneut fegt.

dabei sammelt er aus jeder ecke schäbige tüten aus plastik auf, zigarettenstummel, coffee-to-go-überreste, papierfetzen. „péta“ entziffert brömstrup. péta-fetahersteller grasen auf mageren böden hinter grenzenlosen dünen, in den weiten der stille. erkennt brömstrup.

vertrocknete stranddisteln, herbe thymianbüsche, wilde möhren, strandhafer, seezwiebeln, oregano. ein bester platz der welt in konkurrenz mit konsum. bedenkenlos.

kurze zeit später rollen und hüpfen vor brömstrups füßen auf feinstem sand gedörrte kaninchenköttel. entfernt erinnern sie ihn an ziselierte perlen. oder an winzige muskatnüsschen. flüchtig.

flüchtige sandspuren.
stille zieht stille an.

absolut.

still.

dann nimmt ein ameisenlöwe seine arbeit auf. brömstrup nimmt ihn unterhalb wilder thymiansträucher wahr. ein kleiner schatten. bewegungen im leisen. der hinterleib des ameisenlöwen bohrt sich ruckweise in den sand ein. und? kein grabungslaut!

rieselnd perlt sand immer wieder in den trichter zurück.
der kleine könig von korinth wälzt unermüdlich seinen fels.

so klingt also absolute stille.
die übrigens so still ist, das die stille die stille verschluckt.

sie rinnt wie durch einen trichter hindurch in eine nächste stille.

brömstrup installaliert seine stillen klänge auf papier.

jbs 2tausend18

Nachtrag: brömstrup [6] muss brömstrup [8] lauten.

Eine 1/4 Million Märzenbecher und 2 Vorwitzchen

Ein Blütenmeer im Eselsburger Tal. Leucojum vernum, die Frühlingsknotenblume, besser bekannt als Märzenbecher. Und auf der anderen Talseite, auf dem Buigen, unterhalb der Keltenschanze, recken Vorwitzchen oder besser bekannt als Leberblümchen, ihre Nasen Richtung Brenz und Biberkolonie.

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Siebzehnjährige Zikade – Oder „Weltlied“ von Leopold Federmair

Von Zikaden

28. August. Seit jenem Freitag geht mir das Zikadenbild nicht mehr aus dem Kopf. Ein Zepter liegt auf einer Bank. Vor der Bank im Erdreich zwei Löcher aus denen Zikaden krabbeln, um im Baum hinter, über der Bank ein Weltlied zu singen. Sieben Tage lang. Und es ist ihnen gleich, ob sie von Mensch oder Tier verstanden werden oder auch nicht. Siehe: Weltlied von Leopold Federmair

Kurzinformationen zum Autor

Einerseits könnte diese Skizze die Wiedergabe eines genauen Naturbeobachters sein. Daraufhin weist die die explizite Beschreibung der Erdlöcher: daumennagelgroß und die Tiefe sei nicht mehr als eine Daumenlänge unter der Erde. Sodann der enorme Geräuschpegel des Zikadengesangs im Baum über dem Kopf des Autors. Und es scheint den Insekten gleich zu sein, ob sie verstanden werden oder nicht, sie singen unbeirrt, was das Zeug hält. Ein Weltlied. Immerhin haben sie nicht viel Zeit. Laut Autor sieben Tage.

Andererseits wäre es möglich, dass die sieben Tage Gesang für die Entstehung der Welt gesehen werden könnten. Das Zepter, ein Teil von Krönungsinsignien, liegt ruhend auf einer Bank: lt. Schöpfungsgeschichte vollendete Gott am siebenten Tag das Werk, das er geschaffen hatte, und an diesem Tag ruhte er (2,2); am Anfang schuf Gott Himmel und Erde ( Himmel = Baum; Erde = Erdreich unter dem Baum).

Federmairs flüchtig entworfene Zeichnung lässt sich auch als Parabel verstehen. Nach Jahren der Stille kriechen in biblischen Ausmaße Unruhestifter ans Tageslicht und verkünden, wenn auch unverstanden, ihr ureigenstes Weltlied – Weltbild.

Im Tierreich werden lt. Knaurs Insektenbuch 1968 von Walter Forster, Seite 66, über 5000 Zikadenarten beschrieben. Wobei eine Mehrzahl noch unbekannt sein dürfte. Beeindruckend ist besonders die Siebzehnjährige Zikade Nordamerikas. Je nach klimatischen Verhältnissen schlüpfen alle dreizehn bis siebzehn Jahre aus den Larven Zikaden, die, seither unterirdisch lebend, die Erdoberfläche erklimmen, Bäume erklettern, um sich dort fortzupflanzen. Der Kreis schließt sich, indem sie Eier legen, aus denen Larven schlüpfen, die wiederum auf die Erde fallen, sich vergraben und die nächsten drei – bis siebzehn Jahre unterirdisch hausen ( Dreizehn und siebzehn sind Primzahlen; Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass in diesen Jahren Prädatoren geburtenschwache Jahre aufweisen und somit hat der Zikadennachwuchs weniger Feinde während ihrer kurzen Lebens-und Fortpflanzungsdauer).

jbs 2ooofünfzehn