haiku [139]

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jbs 2tausend19

haiku [139]

sonntagvormittag
mäuse im vorübergeh’n
eine katze träumt

jbs 2tausend19

brömstrup [10]

nur licht.

im übermaß.

eine türkisblaue brandung ist baiserverziert und liefert brömstrup täglich ein großleinwandaquarell.
gen land stolpert brömstrup über steine! steine, steine, steine! billiarden steine. felsen. schluchten. felsbuchten. statt getreide auf den feldern: steine! faustgroß. steinumschlossene hochtäler. brömstrup lässt seinen blick weiter schweifen und wandert durch silbrige olivenbaumplantagen. er bestaunt knorrig verdrehte stämme. in einer länglichen stammhöhle schmiegt ein alter faltiger schäfer seinen rücken in das innenleben des noch älteren. er verwächst mit dem stamm. jetzt! bewegt der alte seine augenlider? brömstrup ist sich nicht sicher. hat er baumbart auf kriti wieder gefunden?
in klippennähe ausgetrocknete riesenfenchelhalme. sie rasseln mit ihren samen. das gefällt nicht nur dem scirocco. darüber immer wieder aufsteigende turmfalken. lautlos lassen sie sich über klippen tragen. ein schwarzkehlchen beobachtet von hoher dornenbuschspitze aufmerksam die gegend und irgendwo aus der ferne, hört brömstrup glocken. leises gebimmel. dort wird wieder eine schafherde unterwegs sein, stellt er fest, auf der suche nach nahrung. brömstrup wundert sich immer wieder, wie die unzähligen wolllieferanten satt werden können. karge böden, auf denen fast nur steine wachsen! und nachwuchs haben die vierbeiner im gepäck. sozusagen.
schafdialoge im freilufttheater: lämmchen ruft in zarten doch ängstlichen höchsten tönen ununterbrochen nach seiner mutter. und aus einer ganz entfernten ecke, hinter geländewellen und felsen blökt es in abständen zurück. und wenn sie sich wieder gefunden haben, dann wird erst einmal milch geliefert, bevor sich die vierbeiner erneut auf strecke machen.
brömstrup wird müde vom schauen und gehen. und er setzt sich. schmiegt sich an einen alten verknorrten baumstamm. zwei oliven fallen in seinen schoss. die eine ist grün, die andere blauschwarz. und schon fegt scirocco heran. fächelt heißen wüstenwind um brömstrups stirn. brömstrup schließt seine augen und kriecht im schatten tausender silberblätter in sich selbst hinein. 

jbs 2tausend19

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Imbrosschlucht – Steintor 2019

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Steine – Steine. 2019

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Südkreta – 2019

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Baiserwoge – Trio Petra – Kreta 2019

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Riesenfenchel 2019

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Riesenfenchel 2019

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Nach ewig langem Geblöke hatte das Lämmchen endlich seine Mutter wieder gefunden. Kreta 2019

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Olivenbaum am Kedros – Kreta 2019

haiku 137

haiku 137

uralter bachlauf
froschtraum in entengrütze –
reiher auf der pirsch

jbs 2tausend19

 

 

 

Traumfänger bei Tag und Nacht

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Komosbeach Südkreta 2013 – Blick über die Bucht von Matala gen Agia Galini

Ich besitze keinen Traumfänger. Aber mir gefällt die Vorstellung, das durch die Löcher des Netzes gute Träume entschlüpfen, währenddessen sich die schlechten Träume im Netz verheddern.
Und bei seinem Gedicht Trottoircafé bei Nacht hat Kästner sich weg geträumt.
Da bleibt mir bei dem heutigen „Dauerniesel-grauindunkelgrau“ auch nur noch das „verreisen“.

Trottoircafé bei Nacht

Hinter sieben Palmenbesen,

die der Wirt im Ausverkauf erstand,

sitzt man und kann seine Zeitung lesen,

und die Kellner lehnen an der Wand.

***

An den Garderobenständern

schaukeln Hüte, und der Abendwind

möchte sie in Obst verändern.

Aber Hüte bleiben, was sie sind.

***

Sterne machen Lichtreklame.

Leider weiß man nicht genau für wen.

Und die Nacht ist keine feine Dame,

sondern lässt uns ihr Gewölbe sehn.

***

In der renommierten Küche

brät der dicke Koch Filet und Fisch.

Und er liefert sämtliche Gerüche

seiner Küche gratis an den Tisch.

***

Wenn man jetzt in einer Wiese

läge, und ein Reh trät aus dem Wald,

seine erste Frage wäre diese:

Kästner, pst! Wie hoch ist ihr Gehalt?“

***

Also bleibt man traurig hocken

und hält Palmen quasi für Natur.

Fliegen setzen sich auf süße Brocken.

Und der Mond ist nur die Rathausuhr.

***

Sieben Palmen wedeln mit den Fächern,

denn auch ihnen wird es langsam heiß.

Und die Nacht sitzt dampfend auf den Dächern.

Und ein Gast bestellt Vanille-Eis.

***
Erich Kästner

weihnachtsbummel durch die lieblingsstadt

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Wenn die Weihnacht kommt, soll man sich fragen,
ob’s nicht besser wär‘
und nicht so schwer,
wenn der Friede nicht nur an den Feiertagen,
sondern alle Zeit auf Erden wär‘.
– Max Dauthendey –

Friedliche und zufriedene Weihnachten, liebe schriftwechsel-Leserinnen und – Leser! Rutscht gut ins neue Jahr 2019 hinein!
Ich freue mich auf ein Wieder-lesen, Wiedersehen, hier auf meinem Blog.
Eure janette Bürkle alias schriftwechsel