Lebensleiter

Lebensleiter

Ein Mensch gelangt, mit Müh und Not,

Vom Nichts zum ersten Stückchen Brot.

Vom Brot zur Wurst geht’s dann schon besser;

Der Mensch entwickelt sich zum Fresser

Und sitzt nun, scheinbar ohne Kummer,

Als reicher Mann bei Sekt und Hummer.

Doch sieh, zu Ende ist die Leiter:

Vom Hummer aus geht’s nicht mehr weiter.

Beim Brot, so meint er, war das Glück. –

Doch findet er nicht mehr zurück.

Eugen Roth

aus: Das Eugen Roth Buch, Seite 30, Carl Hanser Verlag 1966

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Auf dem Gipfelplateau des Schöneck im Sarntal erwarten einem über 100 sehenswerte Gestalten. Aus Steinplatten sind sie aufgetürmt die „Stoanernen Mandln“. Seit einem halben Jahrtausend stehen sie rund ums Kreuz und bewachen die „Große Reisch“. Mannshoh warten sie auf und lassen sich bewundern. Gerichtsprotokolle aus dem frühen Jahr 1540 besagen, dass zwischen den Steinfiguren Hexentänze und Teufelsfeiern veranstaltet wurden. Ob man dem Glauben schenken will, sei einem selbst überlassen. Die mystische Atmosphäre und der geheimnisvolle Zauber hier oben trägt einiges zu der fantastischen Aussicht bei.

Die Erklärung zu obiger Aufnahme führt einen in eine völlig andere Geschichte, jedoch passen die Steinernen Männchen auch ganz gut zur „Lebensleiter“.

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4 Kommentare zu “Lebensleiter

    • Sehr gerne!
      An anderer Stelle im Netz erwähnte ich Leo Tolstoi und seine Erzählung „Wieviel Erde braucht der Mensch“. Dort wird von Pachom, einst ein schlichter Bauer, erzählt. Nach einem Gespräch zum Thema „Stadt- und Landleben“ lodert eine unersättliche Gier nach mehr Ackerland in ihm auf und er macht sich mit Familie und Besitz auf, um immer weiteren, größeren Besitz zu erlangen. Bis zu dem Tag, an dem er sich übernimmt und jetzt kommt Eugen Roth mit seinem letzten Satz sehr passend: „… doch findet er nicht mehr zurück.“
      Viele Grüße!

        • Wallace – ja, die oben von Dir von ihm erwähnte Rede kenne ich. Und besonders gefällt mir seine Aussage zum Leben, die er ziemlich am Ende seiner Rede hält:

          „[…]Die Wahrheit im Vollsinn des Wortes dreht sich im Leben vor dem Tod. Sie dreht sich um die Frage, wie man dreißig oder sogar fünfzig Jahre alt wird, ohne sich die Kugel zu geben. Sie dreht sich um den wahren Wert wahrer Bildung, die nichts mit Noten oder Abschlüssen, dafür aber alles mit schlichter Offenheit zu tun hat – Offenheit für das Wahre und Wesentliche, das sich vor unserer aller Augen verbirgt […]“
          zitiert aus: „Das hier ist Wasser“ David Foster Wallace, Verlag Kiepenheuer&Witsch, Seite 34

          Tolstois Pachom war nicht offen für das Wahre und Wesentliche und der Meister Tolstoi schafft in seiner Erzählung mit einem gelungenen Gleichnis der Gesellschaft einen Spiegel vor Augen zu halten. Vorausgesetzt … der Mensch hat gelernt zu denken -> siehe hier wiederum Wallace.
          Herzliche Grüße!

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